Vita
Alexander Matrosov wurde 1979 in Tschimkent, Kasachstan, geboren.
1989 war er an der Spezialschule für begabte Kinder Rimsky-Korsakov
in St. Petersburg der jüngste Schüler von Oleg Scharov, bei dem
er seine Ausbildung bis 2002 fortsetzte. 2003 kam er nach Deutschland, wo
er bei Professor Mie Miki studierte. Sie unterrichtete ihn zunächst
an der Hochschule für Musik Detmold, Abteilung Dortmund, seit 2004
an der Folkwang Hochschule Essen.
Zwischen 1990 und 2005 erhielt Alexander Matrosov 20 renommierte Auszeichnungen.
So gewann er beispielsweise allein im Jahr 2005 neben dem GWK Förderpreis
in Münster/Westfalen den Grand Prix bei der 4. IAA International
Accordion Competition in Tokyo und den 1. Preis beim Bundeshochschulwett-bewerb
für Musik in Hamburg. Außerdem war er Preisträger bei
der International Gaudeamus Inter-preters Competition Amsterdam und bekam
ein Förderstipendium für Nachwuchssolisten der Kölnischen
Rückversicherungs-Gesellschaft GenRe sowie, als Mitglied des Folkwang
Akkordeon Trios, ein Stipendium der Werner Richard-Dr. Carl Dörken
Stiftung, Herdecke. 2004 gewann er den Folkwangpreis in Essen und wurde
Stipendiat bei Yehudi Menuhin Live Music Now. Den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten
von Baden-Württemberg in Baden-Baden erhielt er 2003, jeweils den
1. Preis erspielte er sich beim Gitta di Lanciano in Italien und beim
Internationalen Akkordeonwettbewerb in St. Petersburg. Drei Jahre zuvor
hatte er den Grand Prix France in Genf, 1998 den 31. Internationalen Akkordeon-wettbewerb
in Paris und 1992 den Russischen Bundeswettbewerb für Akkordeon in
St. Petersburg gewonnen.

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Alexander Matrosov
Akkordeon
CLCL 101
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DOMENICO SCARLATTI (1685 – 1757) |
Sonate D-Dur K. 145
Sonate E-Dur K. 380 |
03:19
05:02 |
JOHANN SEBASTIAN BACH
(1685 – 1750)
Englische Suite Nr. 5 e-Moll BWV 810 |
Prelude
Allemande
Courante
Sarabande
Passespied I en Rondeau
Gigue |
04:31
04:45
02:26
02:35
02:57
02:07 |
| MAURICIO KAGEL (*1931)
"Episoden, Figuren" |
| Solo für Akkordeon (1993) |
13:16 |
YUJI TAKAHASHI (*1938) "Like
a Water-Buffalo" (1985) |
Wendy Poussard:
Song for Water-Buffalo.
Poem (Russian Version) "Like a Water-Buffalo" |
01:12
07:56 |
VLADIMIR ZUBITSKY (*1953)
Partita concertante Nr. 2
in modo di jazz improvisazione (1989) |
| Allegretto energico
Andante tranquillo
Presto - Poco tranquillo - Presto
|
05:07
05:08
06:43 |
"Mauricio Kagels 'Episoden, Figuren' sind polyphonisch und rhythmisch,
melodisch und atonal, extrem dynamisch und unglaublich eindrucksvoll.
Ich mag das Theatralische des Stücks. Es liegt nicht nur in den
Bewegungen, die sich für mich als Akkordeonspieler beim Vortrag
ganz natürlich, als technische Anforderung, aus seiner Musik
ergeben, sondern es liegt auch in der schauspielerisch-mimischen Anweisung
der letzten Episode. Kagel schreibt hier vor, dass der Musiker ab
der letzten Akkordfolge, die in einem diabolisch hohen, leise und
lange ausgehaltenen Akkord endet, welcher von Figuren, die schrittweise
in die Tiefe führen, überlagert wird, auswendig spielen
und das Publikum mit weit aufgerissenen Augen anstarren soll. Der
hohe Akkord setzt aus, sobald die tiefsten Töne erreicht sind.
Nun soll der Spieler die Zuschauer anlächeln, bis der letzte
tiefe Ton erklingt. Das Stück endet mit einer Pause; in ihr soll
das Lächeln des Musikers gefrieren. Ich kann 'Episoden, Figuren'
nur komplett auswendig vortragen, weil ich dabei ganz von meinem Körper,
von mir selbst, abstrahiere. Ich verschwinde quasi in der Musik und
in meinem Instrument. Es ist für mich gleichzeitig mein eigener
Körper und eine fremde, ganz eigenständige Person, ein Schauspieler.
Die Musik zieht mich magisch durch einen imaginären Korridor
– ich sehe immer Bilder, wenn ich spiele, bewege mich in dichten
atmosphärischen Phantasien –, in dem sich Episoden eines
Lebens aneinanderreihen, sich in Szenen, Situationen und Facetten
ausdifferenzieren. 'Episoden, Figuren' spannt für mich einen
Lebensbogen, ich erlebe darin die Suche nach dem eigenen Ich –
und sie endet darin nach meiner Auffassung, jedenfalls derzeit, negativ."
Alexander Matrosov |
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Pressestimmen
Mauricio Kagels Akkordeonstück "Episoden, Figuren" aus
dem Jahre 1993 ist in seiner Abenteuerlust, in seiner formalen Wirrnis
und seiner immer neu flimmernden, flackernden oder fahlen Atmosphäre
ein eindrucksvolles Beispiel einer modernen und auch wirklich spannenden
Akkordeon-Komposition, die sich nicht durch materiale Enge oder spröde
Enthaltsamkeit auszeichnet. Alexander Matrosov spielt diese virtuose,
klangliche wie gestalterische Herausforderung mit einer in jeder Phrase
stimmenden Souveränität, in einer großen Bandbreite der
Sounds und der dynamischen Schattierungen und mit einem klaren Konzept,
das die Architektur der Musik deutlich werden lässt, ohne auch nur
für einen Moment an gestischer Intensität und Expressivität
zu verlieren.
Das wesentlich monotonere, in seiner bizarren Gebärdenhaftigkeit
und sprechenden Musikalität aber anrührende Werk von Yuji Takahashi
(Jg. 1938) überzeugt vor allem durch unprätentiöse Klarheit
und analytische Präzision, mit der Matrosov dem Hörer Zugang
zu einer zwar fremden, aber doch stets menschlichen Musik gewinnt. Diffizile
Melodien und eine niemals akademische, empfindliche und stets unberechenbare
rhythmische Disposition geben dieser von einem Gedicht ("Wie ein
Wasserbüffel") inspirierten Musik ein sehr eigenwilliges Profil,
in dem sich zeichnerische Leichtigkeit und atmende Emotion die Waage halten.
Spielerischer, aber auch eine Spur durchschaubarer ist die Partita des
aus der Ukraine stammenden Bajanisten und Komponisten Vladimir Zubitsky
(geb.1953). Die Nähe zum Jazz-Idiom und der gewiss auch etwas spielmusikantische
Charakter der dreisätzigen Suite wird von Matrosov wirkungsvoll in
Szene gesetzt. Zu fragen bleibt allerdings, ob es wirklich notwendig ist,
barocke Tastenliteratur, also Bach und Scarlatti, hier miteinzuspielen.
Natürlich hat es etwas von "Pflicht" vor der "Kür",
aber es scheint sich im Bereich der zeitgenössischen Akkordeonaufnahmen
einzubürgern. Keine Frage, dass Matrosov Bach und Scarlatti überzeugend
und in einem originellen, niemals überspannten Timbre interpretiert,
wobei allerdings die Bach-Sarabande etwas zu sehr buchstabiert wirkt.
Aber etwas wirklich Neues oder Notwendiges wird über diese 'Klassiker'
hier nicht gesagt."
Hans-Christian v. Dadelsen
www.klassik-heute.de, 05.07.2007
Direkt mit dem ersten Stück
wurde deutlich: Es sollte ein großartiger Abend werden. Da überraschte
in der Englischen Suite Nr. 5 e-Moll von Bach die Vielfalt von Farben,
die das Akkordeon zu bieten hatte. Hier wurde mit schlankem Klang klassisch
musiziert, mit dynamischer Leidenschaft und mit verschnörkelten Verzierungen,
wie man es von besten Kammerorchestern kennt. Zu verdanken hatte man dieses
außergewöhnliche Hörerlebnis Alexander Matrosov.
Christoph Broermann
Münstersche Zeitung, 16.01.2007

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