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Pavel Sokolov (*1975 Moskau) begann 1985, bei Sergej Burdukov an der Moskauer Gnessin Musikschule für besonders begabte Kinder Oboe zu lernen. 1993 wechselte er zu Ivan Puschethschnikov an die Gnessin Musikhochschule, wo er 1998 seinen Abschluss machte. Im Anschluss ging er zu Gernot Schmalfuß an die Hochschule für Musik Detmold, dort legte er 2005 das Konzertexamen ab.

Pavel Sokolov erhielt wichtige Auszeichnungen, etwa beim Russischen Wettbewerb für Oboe St. Petersburg, beim Richard-Lauschmann-Wettbewerb Mannheim oder bei der Sony International Oboe Competition in Japan.

Pavel Sokolov war Aushilfe als Solooboist der Moskauer Philharmoniker und von 1994 bis 1997 Mitglied des Moskauer Ensembles für Moderne Musik. Ab 2004 war er Solooboist der Bergischen Symphoniker und in derselben Position 2006/7 beim Deutschen Symphonieorchester Berlin. Seit 2005 musiziert Pavel Sokolov mit dem Consortium Classicum, mit dem er mehrere CDs aufgenommen hat. Zudem arbeitet er mit dem Frankfurter Ensemble Moderne zusammen. Als Dozent war er 2007 beim Internationalen Musikfestival Karuizawa und beim Karuizawa Arts Festival in Japan tätig.

Kimiko Imani (*1975 Hamamatsu, Japan) studierte von 1991 bis 1998 in Tokyo an der Toho Gakuen Oberschule und der Toho Gakuen Hochschule für Musik bei Yasushi Hirose. Von 1999 bis 2000 absolvierte sie ein Aufbaustudium an der Hochschule für Musik Detmold bei Anatol Ugorski, wo sie 2005 das Konzertexamen mit Auszeichnung ablegte. In Meisterkursen bei Peter Lang, Michail Woskresensky, Edith Picht-Axenfeld, Markus Hinterhäuser und Andras Schiff erhielt sie wichtige künstlerische Impulse.

Zwischen 1987 und 1990 gewann Kimiko Imani dreimal den Wettbewerb junger Musikstudenten in Japan und im Alter von siebzehn Jahren den 2. Preis beim renommierten Kanagawa-Wettbewerb. Danach folgten zahlreiche Engagements als Solistin mit den Kanagawa Philharmonikern. 2000 erhielt sie den GWK Förderpreis Musik in Münster.

Kimiko Imani gastierte bei namhaften Festivals wie dem Internationalen Bläser-Festival in Hamamatsu, dem Karuizawa Arts Festival oder der Sony International Oboe Competition. 2008 trat sie als Solistin in Rachmaninows zweitem Klavierkonzert mit dem Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra in der Suntry Hall auf.


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Pavel Sokolov
Oboe

Kimiko Imani
Piano

CLCL 106

RICHARD RODNEY BENNETT (*1936)
After Syrinx I

Adagio flessibile
Scherzo I
Cadenza I
Scherzo II
Cadenza
Adagio

03:16
01:43
01:48
02:03
01:28
03:03

FRANCIS POULENC (1899 – 1963)
Sonate für Oboe und Klavier

Elégie
Scherzo
Déploration
05:11
04:26
04:46
BENJAMIN BRITTEN (1913 – 1976)
Temporal Variations
Theme
Oration
March
Excercises
Commination
Chorale
Waltz
Polka
Resolution
01:57
01:55
01:07
00:55
01:13
01:54
01:22
01:21
02:09
PAVEL HAAS (1899 – 1944)
Suita für Oboe und Klavier op. 17
Furioso
Con fuoco
Moderato
03:27
05:18
06:30
MARINA DRANISHNIKOVA (1938 – 1986)
Poema 07:34

total 64:26





  


CD-Kritiken

Beide Interpreten auf dieser CD vertreten eine junge, sehr talentierte Künstlergeneration des Geburten-jahrganges 1975. Gemessen an der Zahl der von ihnen gewonnen Wettbewerbe, Preise und Prämien haben der Russe Pavel Sokolov (Oboe) und die Japenerin Kimiko Imani (Klavier) inzwischen viele Feuertaufen überstanden. Nun legen sie als Visitenkarte ihres Könnens ein Programm erlesener Oboenwerke der zwischen 1899 und 1963 geborenen führenden Köpfe aus Frankreich, England und Böhmen vor. Herausforderungen und Grenzen dieser facettenreichen Zusammen-stellung sind eine gewisse Nivellierung der Klangfarben, soweit sich die Anlage der Stücke auf die Führungsrolle des Blasinstrumentes beschränkt. Für den Zuhörer bedeutet dies eine hohe Konzentrationsbereitschaft, sofern er dem mehr als einstündigen Programm ohne Punkt und Komma zu folgen bereit ist.
Hervorzuheben ist die packende, geschickt an den Anfang der Werkauswahl gestellte Meditation After Syrinx I Richard Rodney Bennets. Hier bezieht sich der Komponist auf das klassisch-impressionistische Flöten-Standard-werk Claude Debussys als thematische Vorlage, das er zu sechs satzartigen Gruppierungen erweitert. Im Wechselbad der Stimmungen und Gefühle das ursprüngliche "Programm" eines sterbenden Fauns nachzeichnend, kontrastieren je zwei Adagio- und Scherzo-Paarungen mit dem Intermezzo von je einer unbegleiteten Oboe- und Klaviersolo-"Cadenza".

Der unmittelbare, spannende Vergleich mit einer der vielen Debussy-Einspielungen als Original-vorlage liegt also nahe. Poulencs nicht minder berühmte Oboensonate bildet danach einen ebenso packenden wie elegischen Höhepunkt der Werkfolge, gefolgt von Benjamin Brittens kryptisch wirkenden Temporal Variations. Mit einem Variationszyklus im herkömmlichen Sinne hat diese Werk nichts zu tun.
Groß ist der stilistische Sprung voller grimmiger und sorgenvoller Töne zur Oboen-Suita von Pavel Haas, einem Stück aus dem Jahre 1939, geschrieben angesichts der NS-Okkupation seiner tschechischen Heimat. Finale und CD-Erst-einspielung bildet, wiederum als Gegensatz, eine Poema-Klang-dichtung der wenig bekannten Marina Dranishnikova. Laut Aussage des Oboisten handelt es sich um eine beim Publikum dank einfacherer Thematik beliebte Tondichtung in der russischen Tradition eines moder-nistisch gefärbten Rimski-Korsakow. Alles in allem liegt damit ein Spektrum kammermusikalischer Oboen-Spezialitäten des 20. Jahr-hunderts vor, getragen von kultivierter, spieltechnisch ausge-feilter und handwerklich perfekter Interpretationskunst.

Gerhard Pätzig (05.11.2008) www.classic-heute.de