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Stefan Heucke (*1959 Gaildorf, Deutschland) erhielt seine musikalische Ausbildung von 1978 bis 1986 an den Musikhochschulen in Stuttgart und Dortmund bei Renate Werner, Arnulf von Arnim (Klavier) und Gerhart Schäfer (Komposition).

Erste öffentliche Aufmerksamkeit erregte Heucke 1985 mit der Uraufführung seiner "Vier Orchester-stücke op. 5" mit dem Saar-ländischen Staatsorchester unter der Leitung von Matthias Kuntzsch. Zahlreiche Aufführungen und Rundfunkproduktionen mit nam-haften Solisten und Orchestern im In- und Ausland folgten. Im März 2006 vollendete Stefan Heucke sein zweites abendfüllendes Musik-theaterwerk "Das Frauenorchester von Auschwitz", das im September 2006 im Theater Krefeld / Mönchen-gladbach uraufgeführt wurde.

Von 1989 bis 2002 hatte Stefan Heucke einen Lehrauftrag für Tonsatz an der Hochschule für Musik Detmold, Abteilung Dortmund. 1990 erhielt er den Förderpreis der Stadt Dortmund für junge Künstler, 2002 gewann er den Publikumspreis beim Festival der Ruhr-Orchester "Windrose". Zahlreiche Aufträge von Theatern, Orchestern, Ensembles, Stiftungen und Privatpersonen sowie zwei Stipendien der Werner Richard-Dr. Carl Dörken-Stiftung ermöglichten ihm eine Existenz als freischaffender Komponist. Im Herbst 2007 erhielt Stefan Heucke, der seit 1996 in Bochum lebt, den Hans-Werner-Henze-Preis des Landschafts-verbandes Westfalen-Lippe.

Stefan Heuckes Werke werden bei Schott Music verlegt, Rundfunk-mitschnitte und CD-Produktionen dokumentieren sein vielfältiges Schaffen.

Marko Kassl (*1976 Klagenfurt, Österreich) studierte am Kärtner Landeskonservatorium bei Mika Väyrynen und Roman Pechmann, bei James Crabb an der Musikhochschule Graz sowie bei Mie Miki zunächst an der Hochschule für Musik Detmold, Abt. Dortmund und dann an der Folkwang Hochschule Essen (Konzertexamen). Meisterkurse absolvierte Marko Kassl u.a. bei Friedrich Lips, Vladimir Dolgopolov, Peter Gerter, Margit Kern und Matti Rantanen.

Marko Kassl erhielt zahlreiche Preise, neben dem Förderpreis der GWK, Münster, u.a. 1998 den ersten Preis beim Österreichischen Akkordeon-wettbewerb, 2002 den zweiten Preis bei der 3. IAA International Accordion Competition in Tokyo/Japan, und Stipendien u.a. vom Richard-Wagner-Verband und der Werner Richard-Dr. Karl Dörken-Stiftung.
Als Solist und Kammermusiker tritt Marko Kassl europaweit auf. Er hat Werke von Komponisten wie Stefan Heucke, Ivo Petric, Bruno Strobl, Wilfried Maria Danner, Chiel Meijering uraufgeführt. Seit 2007 unterrichtet er an der Hochschule für Musik Detmold.


Tobias Bredohl (*1974 Münster, Deutschland) studierte bei Gregor Weichert an der Hochschule für Musik Detmold, Abt. Münster (Konzer-texamen).
Tobias Bredohl erhielt den Förderpreis der GWK, Münster, und wurde international ausgezeichnet. So ist er u.a. Preisträger beim Int. Klavierwettbewerb in Karlsbad / Tschechien, beim Int. Schubert Wettbewerb Dortmund, beim Int. Klavierwettbewerb Premio F. Durante Napoli/Italien und beim Wartburg-Klavierwettbewerb Eisenach.
Seit 1995 gastiert er als Solist und Kammermusiker in ganz Europa.


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"Heimat"
Leoš Janácek - Stefan Heucke

Marko Kassl
Akkordeon

Tobias Bredohl
Piano


CLCL 107

LEOŠ JANÁCEK (1854 – 1928)
Auf verwachsenem Pfade. Für Akkordeon und Klavier bearbeitet von Stefan Heucke *

Unsere Abende (Moderato)
Ein verwehtes Blatt (Andante)
Kommt mit! (Andante)
Die Friedeker Mutter Gottes (Grave)
Sie schwatzten wie die Schwalben (Con moto)
Es stockt das Wort (Andante)
Gute Nacht! (Andante)
So namenlos bange (Andante)
In Tränen (Larghetto)
Das Käuzchen ist nicht fortgeflogen (Andante)


4:45
2:37
1:42
5:09
2:42

2:13
3:20
3:09
3:52

4:20

STEFAN HEUCKE (*1959)
Heimat. Sieben Skizzen und ein Epilog für Akkordeon und Klavier op. 49 *

Spurensuche
Kindheit
Kennst du das Land
B B B (Bach Beethoven Brahms)
Wir sind Auschwitz
Verloren
Von nun an ...
Epilog („Jetzt gang i ans Brünnele")
3:08
2:28
3:17
6:34
2:55
4:02
3:42
0:58


* Ersteinspielung

total 60:53






  


CD-Kritiken

Dass die musikalische Auseinander-setzung mit dem Begriff "Heimat" und der eigenen Vergangenheit für Gänsehaut sorgen kann, ist nichts Neues. Es handelt sich jedoch weniger um ein wohliges Kribbeln, das die Ausführung des absolut stimmigen Programms auf dieser mit "Heimat" überschriebenen CD her-vorruft, als vielmehr um wiederholtes kaltes Erschauern: um das wehmütige, bisweilen beunruhigende Verarbeiten großen persönlichen Schmerzes. Ausgehend von Leoš Janáceks Klavierzyklus Auf verwachsenem Pfad, jenen leidvollen Erinnerungsbildern an Janáceks früh verstorbene Tochter Olga, konzipierte der Komponist Stefan Heucke sein 2006/07 hier als Ersteinspielung vorliegendes Werk "Heimat".

Eine weitere Besonderheit dieser Einspielung: Aufgrund der Tatsache, dass Janáceks Klavierzyklus ursprünglich für Harmonium, also für ein Zungeninstrument geschrieben wurde, aber auch mit Blick auf die Besetzung seines eigenen Werks, hat der 2007 mit dem Hans-Werner-Henze-Preis in Dortmund ausgezeichnete Stefan Heucke das Janácek-Werk für Akkordeon und Klavier arrangiert. Das dadurch ermöglichte dynamische Spiel mit einem klanglichen Vorder- und Hintergrund, das Neben-, Mit- und Übereinander zweier so unterschiedlicher Instrumente verleiht der Melancholie und Bitterkeit Janáceks eine ganz neue Qualität; es gibt der unglaublichen Schönheit, dem Beängstigenden und Abrupten, aber auch dem Zärtlichen und Tröstlichen von Janáceks Tonsprache eine bis dahin ungeahnte Tiefe, in die man unweigerlich hineingezogen wird. Marko Kassl (Akkordeon) und Tobias Bredohl (Klavier) lassen sich dabei glücklicherweise nicht zu reiner Klangmalerei verleiten. Ihr inniger Vortrag dieser zwischen Pentatonik und Kirchentonalität pendelnden Miniaturen ist mustergültig strukturiert und wohl durchdacht; fast glaubt man, tief verborgene Wahrheiten zu hören.

Die musikalische und interpreta-torische Intelligenz Marko Kassls und Tobias Bredohls ist auch jederzeit spürbar in Stefan Heuckes Heimat op. 49, einer Auftragskomposition der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit Münster (GWK) für eben diese beiden Künstler. Heucke, der 2006 mit seinem Musiktheater Das Frauenorchester von Auschwitz großes Aufsehen erregte, überzeugt in seinem achtteiligen Zyklus mit einem expressiven Erzählton voll beeindruckender Klangfantasie. Dabei beleuchtet er sein Heimat-Verständnis in sehr ausdrucksstarken Stimmungsbildern zwischen dissonant Geräuschhaftem, harmonischen und rhythmischen Schwebezuständen sowie komplexer Kontrapunktik aus ganz verschiedenen Blickwinkeln: Es geht unter anderem um den Missbrauch des Heimat-Begriffs durch den Nationalsozialismus ("Wir sind Auschwitz"), um Bach, Beethoven und Brahms als Vaterfiguren der deutschen Musik ("BBB"), oder um die geistliche und spirituelle Heimat ("Von nun an"). Ausgangspunkt für Heuckes mal zarte, verspielte, dann wieder aggressiv losbrechende, insgesamt recht beklemmende Heimat-Betrachtung ist das Volkslied "Jetzt gang i ans Brünnele": Schemenhaft und skizzenartig durchzieht es den gesamten Zyklus, wird brachial zerstückelt, bis zur Unkenntlichkeit verfremdet, verschwindet fast gänzlich und erklingt erst im Epilog in seiner ursprünglichen und vollständigen Gestalt. Zugegeben: eine nicht gerade leicht zugängliche Musik. Aber das perfekte Kommunizieren der beiden Interpreten in einer grandios ausgehorchten Klanglichkeit macht sie, wie überhaupt die gesamte CD, zu einem fesselnden Erlebnis.

Christof Jetzschke (17.10.2008)
www.klassik-heute.de