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Kathy Kang (*1990 Seoul/Südkorea) begann mit 3 Jahren Geige zu spielen, mit 11 Jahren wurde sie als Jungstudentin in die Meisterklasse von Rosa Fain an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf aufgenommen. Sie gewann erste Preise bei internationalen und nationalen Violinwettbewerben, 2005 wurde ihr der Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen zugesprochen. Kathy Kang ist Stipendiatin der Deutschen Stiftung Musikleben, 2006 war sie einer ihrer "Rising Stars".

Seit ihrem Debütkonzert beim Oberstdorfer Musiksommer 2002 konzertierte Kathy Kang als Solistin mit führenden Symphonie- und Kammerorchestern in Deutschland und Europa. Sie trat in renommierten Konzertsälen wie dem Tschaikowsky Konzertsaal in Moskau, der Philharmonie St. Petersburg, der Alten Oper Frankfurt, dem Concertgebouw Amsterdam, der Tonhalle Düsseldorf, der Grieghalle in Bergen, der Festival Hool in Pärnu sowie in den Philharmonien in Essen und Köln auf. Dort spielte sie unter den Dirigenten Arnold Katz, Kirill Petrenko, John Fiore, Dmitri Kitajenko, Neeme Järvi u.a.

Kathy Kang gastiert regelmäßig beim Schleswig-Holstein Musik Festival, beim Rheingau Musik Festival und beim David Oistrach Festival, bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, den Weilburger Schlosskonzerten und dem Oberstdorfer Musiksommer.

Kathy Kang, die von Evonik Industries und der Stadtsparkasse Düsseldorf gefördert wird, spielt eine Jean Baptiste Vuillaume Violine aus dem Jahr 1864.

Mara Mednik war Professorin für Korrepetition und Kammermusik am Leningrader Konservatorium, an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg hatte sie eine Professur für Klavierbegleitung. Von 2000 bis 2004 begleitete sie die Cello-Klasse von Boris Pergamenschikov an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin. Seit 2007 unterrichtet sie an der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Sie begleitete Meisterkurse von Yfrah Neaman, Zakar Bron, Galina Wischnewskaja, Abram Stern, Boris Pergamenschikov, Tomas Brandis und Gary Hofmann.

Mara Mednik wirkte u.a. beim Louis Spohr Wettbewerb und beim Pablo Sarasate Wettbewerb, beim Pablo Casals Wettbewerb und beim Grand Prix Emanuel Feuermann sowie beim Deutschen Musikwettbewerb als Klavierbegleiterin mit. Seit 1995 ist sie die offizielle Pianistin des Wettbewerbs des Deutschen Musikinstrumentenfonds in der Deutschen Stiftung Musikleben.

Kammermusikpartner Mara Medniks waren u.a. Mark Lubotzky, Sergei Stadler, Arkadi Marasch, Franz Helmerson, Michaela Martin, Tatjana Masurenko, Gustav Rivinius, Dmitri Makhtin, Emil Rovner, Gavriel Lipkind, Danjulo Ishizaka, Alina Pogostkin sowie Sebastian Klinger, Julian Steckel, Georgi Kharadze, Suyoen Kim und Vilde Frang. Die Pianistin ist regelmäßig bei Musikfestivals wie dem Schleswig-Holstein Musik Festival, den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern oder den Schwetzinger Festspielen zu Gast. Sie konzertierte u.a. im Concertgebouw Amsterdam, dem Münchener Gasteig, der Berliner Philharmonie und der Laeizhalle Hamburg.

 

 


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Kathy Kang
Violine

Mara Mednik
Klavier


CLCL 108

WOLFGANG A. MOZART (1756 – 1791)
Sonate für Violine und Klavier B-Dur KV 454

Largo-Allegro
Andantino
Allegretto

07:49
07:55
07:07


EUGÈNE YSAŸE (1858 – 1931)

Poème élégiaque op. 12
Sonate op. 27 Nr. 3 "Ballade"
15:06
07:28


FRITZ KREISLER (1875 – 1962)

La Gitana
Caprice viennois op. 2

03:39
04:21

NATHAN MILSTEIN (1904 – 1992)
Paganiniana 09:07
total 62:37


Interview mit Kathy Kang

Kathy, neben der B-Dur Sonate von Mozart bestimmen Kompositionen großer Geiger das Programm Deiner Debut-CD. Milsteins "Paganiniana" und Ysaÿes "Ballade", die als dritte seiner Solosonaten George Enescu gewidmet und in seinem Stil geschrieben ist, nehmen außerdem auf große Violinvirtuosen Bezug, Kreisler geht von einer Zigeunerweise aus. Mir scheint, Du machst mit Deiner Auswahl ein geigerisches Statement: Ist es der besondere Klang, ist es die Farbigkeit der Violine und ihre ganz eigenartige Ausdrucksfülle und -intensität, die ja wohl Paganini als erster entdeckt und ausgespielt hat, denen Du nachspürst in Deinem Spiel?

Ich wollte nicht nur großformatige Werke, sondern auch kleinere Stücke aufnehmen, die trotz ihrer Kürze ganz unterschiedliche Charaktere haben, verschiedene Stimmungen, Emotionen und Temperamente ausdrücken. Mozart steht für mich ganz oben, seine Musik begleitet und inspiriert mich seit meiner Kindheit. Den andern Teil überlasse ich Kompositionen der bedeutendsten Geiger des 19. und 20. Jahrhunderts. Ihre Namen stehen für die wichtigsten Etappen des Violinspiels, des darstellerischen Könnens. Ihre Persönlichkeiten, die jeweilige Spielmanier, Tonfärbung, Virtuosität, Eleganz – all dies spiegelt sich in ihrer Musik. Die ist extrem unterschiedlich. Aber so leicht, wie es ist, Ysaÿe z.B. von Kreisler zu unterscheiden, so schwer ist es, beider Musik geigerisch gerecht zu werden. Ich glaube, dass man sich durch die Stücke, die ich aufgenommen habe, den Quellen des Geigenspiels nähert, dass sie mich zum Urvater der modernen, der absoluten Meisterschaft hinführen, zu Paganini. Klar, dass solche Werke nur dann beim Zuhörer ankommen, wenn man sie ganz unterschiedlich darstellen kann, wenn man nicht nur technisch perfekt spielt, sondern den Klang schattieren kann, eine ganze Palette von Ausdrucksmitteln hat.

Ich habe den Eindruck, dass Du Dich in besonderer Weise mit den Stücken Ysaÿes identifizierst. Als Geiger faszinierte dieser Ahnherr des Violinspiels im 20. Jahrhundert durch die Leuchtkraft, den Glanz und die Farbigkeit seines Tons, seine singende Intensität. Enescu, dessen geigerischem Temperament die rhapsodische "Ballade" folgt, wird gerühmt für den Nuancenreichtum seines Tons, seiner Phrasierungen, für seine leidenschaftliche Hingabe an die Musik. Kommen im "Poème élégiaque" und in der 3. Solosonate musikalische Aussage und Geigenspezifisches in einer Weise zusammen, die Dir in ganz besonderer Weise entsprechen?

Die Violinwerke von Ysaÿe faszinieren mich. Einerseits tragen sie die Merkmale der Romantik, andererseits weisen sie schon ins 20. Jahrhundert. Ysaÿes Rolle in der Entwicklung des Violinspiels ist nicht hoch genug einzuschätzen, sein "Elegisches Poem" und besonders die sechs Solo-Sonaten haben einen festen Platz im Repertoire aller großen Solisten. Ich finde mich in seiner Musik wieder. Da gibt es so intensive Emotionen und Leidenschaften, soviel Spannung und Dramatik, Ekstase, Zärtlichkeit, Liebe, Trauer, Hoffnung. Und dann stellt Ysaÿe schwierige instrumentale Aufgaben, die natürlich den phänomenalen Möglichkeiten entsprechen, die er selber hatte. Es gehört ziemlich viel Mut zum Risiko dazu, auch Fantasie, um sich dieser Herausforderung zu stellen; aber das finde ich extrem spannend. Außerdem aber gibt es noch etwas ganz Persönliches. Ich habe das Gefühl, dass mich der Name Ysaÿe mit meiner Lehrerin, Prof. Rosa Fain, und ihrem Mentor, dem legendären Geiger David Oistrach, verbindet. Dessen internationale Karriere begann nämlich mit einem triumphalen Sieg beim Eugène Ysaÿe Violinwettbewerb. Oistrach führte viele Werke Ysaÿes auf, spielte sie auf Schallplatte ein und war einer der ersten, dem die Ysaÿe-Ehrenmedaille verliehen wurde, die viele Jahre später auch Frau Fain bekam.

  



Du bist 1998, als Du acht Jahre warst, von Südkorea nach Deutschland gezogen, um bei Rosa Fain in Düsseldorf, an der Robert Schumann Hochschule, zu studieren. Rosa Fain war aus Odessa und St. Petersburg nach Deutschland emigriert. Eine gewaltige Lebenswende, dieser Wechsel in eine andere Kultur für Dich und Deine Familie, der allein durch die Entscheidung für die Geige und für eine Lehrerin bestimmt war. Hast Du das Gefühl, dass sich in Deutschland zwei gefunden haben, die für einander bestimmt waren, menschlich und musikalisch?

Ich habe meine Lehrerin 1999 kennengelernt, als ich nach Deutschland kam, um ihr vorzuspielen. Mein Spiel hat ihr gefallen und sie hat mich sofort zu ihrem Meisterkurs nach Oberstdorf eingeladen. Dort kam ich in eine Umgebung, in der die Musik und nur die Musik regierte. Ich war total begeistert, hatte aber auch ein wenig Angst. Doch bald entstand zwischen meiner Lehrerin und mir ein solches Einverständnis und Verstehen, dass ich mir sicher war: bei ihr muss ich unbedingt studieren. Ein Jahr später wurde ich als jüngste Jungstudentin der Robert Schumann Hochschule in ihre Meisterklasse aufgenommen. Wegen meiner Ausbildung sind meine Mutter, mein Bruder und ich nach Deutschland gezogen. Es ist klar, dass dieser Schritt große Veränderungen und Schwierigkeiten in unserem Leben nach sich zog, vor allem zu Anfang. Wir mussten unser Leben komplett umstellen. Doch wir waren sehr überrascht, wieviel Hilfsbereitschaft, Anteilnahme und Aufmerksamkeit uns entgegen gebracht wurde, egal, ob in der Schule, in der Hochschule, im Bekanntenkreis oder auf dem Amt. So verlief der Integrationsprozess fast schmerzlos. Und wir wussten, dass wir immer mit der Hilfe und Unterstützung von Frau Fain und ihrem Mann rechnen konnten. Noch mehr: Frau Fain und ich sind eigentlich unzertrennlich geworden. Sie ist nicht nur meine Lehrerin, sondern eine Freundin, mit der ich alles teilen kann: Freude, Erfolg, Hoffnungen, auch Sorgen, Kummer und Zweifel. Sie führt mich in die grenzenlose Welt der Musik, begleitet mich mit ihrem Wissen und Können auf dem schwierigen Weg zur Vollkommenheit. Sie fordert mich und zugleich vermittelt sie mir Mut und Vertrauen in die eigenen Kräfte. Als ihre Schülerin spüre ich die Zugehörigkeit zur russischen Schule, zur Schule Oistrachs.

Für Oistrach war es essentiell, das eigene Geigenspiel immer wieder zu überprüfen, so dass der Vortrag eines Stückes mit zunehmender Lebenserfahrung reifer wird. Maßstab von Reife ist jedoch nicht der Interpret, sondern die Idee der Komposition, das Ideal der Vollkommenheit ihrer Darbietung. Hast Du das Gefühl, dass Du als Person manchmal zurücktreten musst, wenn Du Dich der Musik, die andere geschrieben haben, in Deinem Spiel nähern willst? Du bist ja in einem Alter, in dem man sich selbst noch sucht und sich manchmal auch gegen alle Welt und um jeden Preis einfach nur selber ausdrücken will. Ist es da für Dich eine Einschränkung, wenn es beim Musik-Machen nicht in erster Linie um Dich geht? Oder erfährst Du umgekehrt gerade in dieser Auseinandersetzung mit einem Fremden, das (oder der) irgendwie zu dir spricht, Dich anspricht, eine Bereicherung Deiner Welt, Deiner Empfindungen und Ausdrucks-möglichkeiten?

Letzteres – da bin ich, wenn man so will, "Oistrach-Enkelin". Ich bin überzeugt, dass jeder Musiker, der sich mit einem Werk beschäftigt, verpflichtet ist, dessen Geist und Text zu respektieren und ihn zu suchen. Die schöpferische Fantasie eines Interpreten soll sich nicht dadurch zeigen, dass er die Anweisungen des Komponisten missachtet, er soll nicht versuchen, sich durch Eigenmächtigkeiten von anderen Interpreten zu unterscheiden. Tut ein Solist das, so spielt er sich selbst in den Vordergrund, was falsch ist. Es geht um das Werk. Identifikation mit dem Komponisten wird verlangt, jedenfalls ist das das Ideal. Letzen Endes ist der Musiker ein Vermittler zwischen dem Komponisten und dem Zuhörer. Das ist unsere wichtigste Aufgabe. Ich glaube, dass nicht die Auseinandersetzung, sondern die Einigung mit jemand Fremdem uns hilft, ihn zu verstehen.

Die Fragen stellte Susanne Schulte