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Viten

Konstantin Manaev (*1983 Ekaterin-burg/Russland) erhielt mit sieben Jahren ersten Cellounterricht bei Vadim Klischin. Er studierte an der Spezialschule des Moskauer Konservatoriums bei Kirill Rodin, später bei Wolfgang Emanuel Schmidt an der Musikhochschule Münster und der Hochschule für Musik Dresden. Seit 2007 ist er bei Ivan Monighetti an der Hochschule für Musik Basel. Bei Daniil Shafran, David Geringas, Frans Helmerson, Natalia Gutman und Siegfried Palm machte er Meisterkurse. Als Solist und Kammermusiker wurde Konstantin Manaev international ausgezeichnet. So gewann er etwa den 1. Preis bei den Concorsi Int. di Musica Val Tidone/Italien und bei den 12. Young Concert Artists Euro-pean Auditions in Leipzig. 2. Preise erspielte er sich beim Concorso Int. dei Duchi d’Acquaviva in Atri/Italien, bei der 6. ADAM Int. Cello Competition in Christ Church/ New Zealand, beim Int. Charles Hennen Kammermusikwettbewerb in Heerlen/ Niederlande oder bei der Int. Swedish Duo Competition in Katrineholm/ Schweden. 2002 gewann er in Münster/Westfalen im Duo mit der Pianistin Katherina Titova den GWK Förderpreis Musik. Außerdem war er Stipendiat der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung, Herdecke, und der Vladimir-Spivakov-Stiftung Moskau. Konstantin Manaev konzer-tiert in ganz Europa, Japan, den USA und er ist Gast bei renommierten Festivals wie den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, dem Schleswig-Holstein Musik Festival oder beim Viana do Castelo Int. Music Festival.


Alexander Matrosov
(*1979 Tschimkent/Kasachstan) war 1989 an der Spezialschule für begabte Kinder Rimsky-Korsakov in St. Petersburg der jüngste Schüler von Oleg Scharov, bei dem er seine Ausbildung bis 2002 fortsetzte. 2003 kam er nach Deutschland, wo er bei Mie Miki zunächst an der Hochschule für Musik Detmold, Abt. Dortmund, dann an der Folkwang Hochschule Essen studierte. Alexander Matrosov erhielt zahlreiche renommierte Auszeichnungen. So gewann er z.B. 2005 neben dem GWK Förderpreis Musik in Münster/Westfalen den Grand Prix bei der 4. IAA International Accordion Competition in Tokyo und den 1. Preis beim Bundeshochschulwettbewerb für Musik in Hamburg. In Essen erhielt er den Folkwangpreis und in Amsterdam einen Preis der Int. Gaudeamus Interpreters Compe-tition. Er war Stipendiat von Yehudi Menuhin "Live Music Now" und der Kölnischen Rückversicherungs-Gesell-schaft GenRe sowie, als Mitglied des Folkwang Akkordeon Trios, der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung, Herdecke. Der Ehrenpreis des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg wurde ihm 2003 zugesprochen, einen 1. Preis erspielte er sich jeweils beim Gitta di Lanciano in Italien und beim Int. Akkordeonwettbewerb in St. Peters-burg. Drei Jahre zuvor hatte er den Grand Prix France in Genf, 1998 den 31. Internationalen Akkordeon-wettbewerb in Paris und 1992 den Russischen Bundeswettbewerb für Akkordeon in St. Petersburg gewonnen. Bei ClassicClips ist seine Debut-CD mit Werken von Scarlatti, Bach, Kagel, Takahashi, Zubitsky (CLCL 101) erschienen.




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"OYAN"
Ali-Zadeh: Chamber Music for Cello


Konstantin Manaev
Violoncello

Franghiz Ali-Zadeh
Piano

Alexander Matrosov
Akkordeon



CLCL 109

FRANGHIZ ALI-ZADEH (*1947)

Counteractions (Yanar Dag) for violoncello and accordion*

11:25
Oyan! for violoncello solo* 10:27

Ask hayasi for violoncello solo

8:57
Habil-sajahy
for violoncello and piano
17:08
total 48:29
* Ersteinspielung



Franghiz Ali-Zadeh
(*1947 Baku/ Aserbaidschan) wurde am Kon-servatorium von Baku als Pianistin und Komponistin ausgebildet und schloss 1976 eine Aspirantur bei Kara Karajew ab. Danach unterrichtete sie am Konservatorium ihrer Heimatstadt, ab 1990 als Professorin für Zeitgenössische Musik und Geschichte der Orchesterstile. Von 1993 bis 1996 war sie Chorleiterin am Opernhaus von Mersin in der Türkei, anschließend zwei Jahre Dozentin für Klavier und Musiktheorie am dortigen Konservatorium. Mit ihrer "Klaviersonate in memoriam Alban Berg" (1970) stellte sich die Komponistin 1976 beim Musikfestival in Pesaro erstmals im westlichen Ausland vor. Danach erklang ihre Musik bei zahlreichen renommierten Festivals, in Portraitkonzerten, im Rundfunk und auf CD-Aufnahmen in den USA und ganz Europa, Australien, Israel und der Türkei. 1999 war Franghiz Ali-Zadeh als erste Frau "Composer in residence" bei den Internationalen Musikfestwochen in Luzern. Im Auftrag der Calouste Gulbenkian Foundation schrieb Franghiz Ali-Zadeh ein Konzert für Violoncello und Orchester, das im Juni 2002 in Lissabon von Ivan Monighetti (Violoncello) und dem Gulbenkian Orchester unter Leitung von Muhai Tang uraufgeführt wurde. 2002 begingen die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker ihr 30-jähri-ges Jubiläum mit einem Cellofest in der Berliner Philharmonie, wofür Franghiz Ali-Zadeh mit der Komposition "Schüschtar" (Meta-morphosen für 12 Violoncelli) beauftragt wurde. Im März 2003 spielte Alexander Ivashkin die britische Erstaufführung von "Ask havasi" für Violoncello solo in der Royal Festival Hall in London. Anlässlich der Wiedereröffnung der Philharmonie Baku dirigierte Mstislav Rostropovich im Januar 2004 das hierfür geschriebene Orchesterstück "Hommage", es spielte das Philharmonische Orchester Baku. Im Rahmen des Concours de Violoncelle Rostropovitch in Paris kam 2005 das für diesen Wettbewerb komponierte Stück "Oyan!" für Violoncello solo zur Uraufführung. Mit dieser Einspielung von Konstantin Manaev liegen sämtliche bisherige Solo und Duowerke für Violoncello von Franghiz Ali-Zadeh auf CD vor.

Die ausführliche Vita der Komponistin findet sich bei: www.sikorski.de
@ Archiv Sikorski

  

CD-Kritiken

In Azerbaidschan brennt oft das Land, weiß die Komponistin Frangiz Ali-Zadeh zu berichten. Die Erdölvorkommen und das zuweilen an die Oberflächen tretende Gas sind die Ursache.
Was dies mit Musik zu tun hat? Die Komponistin schilderte diesen Umstand im Begleitheft einer neuen CD und transportiert damit ein Bild, das auf das stürmische Tun der hier präsentierten jungen Interpreten nur zu gut passt. Denn Konstantin Manaev, Violoncello, und Alexander Matrosov, Akkordeon, entfachen durch ihren ungestümen Einsatz so viel virtuosen Feuersturm, um Frangiz Ali-Zadehs Anspruch einer maximalen emotionalen Direktheit in ihrer Musik zu entsprechen. Die Aserbaidschanerin hat schon in vielen ihrer Werke das Violoncello mit seinem variablen Tonumfang und dem daraus hervorgehenden expressiv-lyrischen Potenzial favorisiert.

Leidenschaftlich-lodernd und voll blühender Kraft ist Manaevs Ton, Intonation und Virtuosität hervorragend. Von diesem, bereits jetzt international erfolgreichen Interpreten wird man sicher noch viel hören. Vor allem in den zwei Werken für Violoncello solo kommt eine – von diesem Interpreten meisterhaft aufgegriffene – rhapsodische Struktur zum Tragen. Oft wähnt man sich in einem nie enden wollenden Strudel wilder Solokadenzen, der allerdings zuweilen auch Längen hat.
Aber die Konfrontation mit anderen Klangwelten beschert dieser Produktion eine spannungsvolle Steigerung. Auch den Akkordeonisten Alexander Matrosov könnte man schon jetzt zu den angehenden „Weltmeistern“ auf dem Instrument zählen. Wer bereits ein Konzert mit ihm erleben konnte, weiß um den schweißtreibenden Krafteinsatz in seinem Spiel. Damit erzeugt er packende polyphone Klanggebilde, kann mit den voluminösen Luftströmen kunstvolle Fugen, rasante Jazzidiome und freie orgelartige Klangflächen erzeugen. Das bildet hier einen Gegenpol zum leidenschaftlichen Cello-Gesang. Nach Ali-Zadehs Auffassung verkörpert letzterer die menschliche Stimme, während das Akkordeon die übermächtige Außenwelt artikuliert. Dazu können nun einmal, wie eingangs beschrieben, auch Feuerstürme gehören.

Das kompositorische Schaffen der Komponistin aus Baku rangiert idealtypisch zwischen Orient und Okzident – ein Grenzgängertum, das schon durch eine Einspielung ihrer Werke mit dem berühmten Kronos Quartett geadelt wurde. Auch in den vier Kompositionen der aktuellen CD sind Elemente aus traditioneller und klassischer Musik ihrer Heimatkultur präsent. Das vierte und längste Werk dieser CD wagt mit experimentellen Mitteln den originalgetreuen Bezug auf die eigenen Wurzeln: Da musizieren Violoncello und Klavier in der Tonalität sowie rhythmischen Struktur von azerbaidschanischen Mughams und durch raffinierte Klangverfremdung werden die Instrumente zu regelrechten Verwandlungskünstlern: Manaevs Cello greift den flirrenden Originalklang der Kemantscha, der traditionellen Stachelfiedel auf und er weiß sich verblüffend in diese melismatischen Linien mit ihren Glissandi und Mikrointervallen einzufühlen. Franghiz Ali-Zadeh selbst nutzt Plektren, Stäbe und vieles andere mehr, lässt den Flügelklang zum Ensemble aus einer fernen Welt mutieren – mit Oud und exotischen Schlaginstrumenten.

Stefan Pieper
klassik-heute (22.07.2009)