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Zeynep H. Köylüoglu (*1986 Ankara, Türkei) studierte zunächst bei Tolga Alpay am Staatlichen Konservatorium Izmir und ist seit 2006 bei Dag Jensen an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Sie ist Preisträgerin beim 1. Internationalen Holzbläserwettbewerb hülsta wood-winds 2008 und war 2005 Preisträgerin beim Wettbewerb "Junge Talente" in Istanbul, Türkei.

Zeynep Köylüoglu ist Stipendiatin des DAAD und der Stiftung Villa Musica. Sie war auf Tournee mit dem Gustav-Mahler-Jugendorchester, nahm an der Orchesterakademie des Schleswig-Holstein Musikfestivals teil und ist seit 2009 Stipendiatin der Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker.

Tobias Bredohl (*1974 Münster, Deutschland) studierte bei Gregor Weichert an der Hochschule für Musik Detmold, Abt. Münster (Konzertexamen). Er erhielt den Förderpreis der GWK, Münster, und wurde international ausgezeichnet. So ist er u.a. Preisträger beim Int. Klavierwettbewerb in Karlsbad / Tschechien, beim Int. Schubert Wettbewerb Dortmund, beim Int. Klavierwettbewerb Premio F. Durante Napoli/Italien und beim Wartburg-Klavierwettbewerb Eisenach. Seit 1995 gastiert er als Solist und Kammermusiker in ganz Europa.

Gemeinsam mit dem Akkordeonisten Marko Kassl spielte Tobias Bredohl die CD "Heimat" mit Werken von Stefan Heucke und Leoš Janácek ein, erschienen bei ClassicClips (CLCL 107).

 


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Zeynep Köylüoglu
Fagott

Tobias Bredohl
Klavier


CLCL 111

ALEXANDRE TANSMAN (1897 – 1986)
Sonatina for bassoon and piano (1952)

Allegro con moto
Aria. Largo cantabile
Scherzo. Molto vivace
03:36
03:03
02:35

CAMILLE SAINT-SAËNS (1835 – 1921)
Sonata for bassoon and piano op. 168

Allegro moderato
Allegro scherzando
Molto adagio. Allegro moderato

02:52
03:44
06:54
CHARLES KOECHLIN (1867 – 1950)
Sonata for bassoon and piano op. 71
Andante moderato.
Allegretto scherzando
Nocturne. Presque adagio
Final

02:59
03:37
04:22
JEAN FRANÇAIX (1912 – 1997)
Deux Pièces for bassoon and piano (1996)
Andante
Petit divertissement militaire
03:49
02:57
CENGIZ TANÇ (*1933)
Partita for bassoon solo 05:39
ROGER BOUTRY (*1932)
Interférences I for bassoon
and piano
08:52
total 55:49


"Ich verwende meine letzte Kraft darauf, das Repertoire der sonst so vernachlässigten Instrumente zu erweitern." Dieses ehrenhafte Unterfangen, das der französische Komponist Camille Saint-Saëns (1835 –1921) in den letzten Jahren seines Lebens begann, bezog auch das Fagott mit ein. Denn das fristete im Solo-Repertoire ein eher trauriges Dasein und im Orchester hatte es seine großen Momente wegen seiner Mischklang-Möglichkeiten bei Beethoven, Haydn und Mozart längst hinter sich. 1921 schrieb Saint-Saëns die Sonate für Fagott und Klavier op. 168, ein Werk ohne jede Spur von Altersmüdigkeit, ohne Stilbrüche, ein 'junges' Stück – und für Zeynep Köylüoglu "eines der besten Stücke für Fagott überhaupt". Schon in ihren Anfangsjahren als Fagottistin war diese Sonate ihr Traumstück, und das gilt heute sogar verstärkt. Bereits die herunterfließenden Einleitungstakte des Klaviers, die dem weichen Melodie-Einsatz des Fagotts den Boden bereiten, erinnern stark an frühere Arbeiten des Komponisten, etwa an das berühmte Weihnachtsoratorium. Die völlig ballastfreie Musik zieht sich im Allegro moderato durch, über das verspielte Allegro scherzando bis hin zum dritten Satz, der in ein Adagio und das artistisch endende Allegro moderato zweigeteilt ist.

Auch die Sonate op. 71 von Charles Koechlin (1867 – 1950) ist ein Lieblingsstück Zeynep Köylüoglus, musikalisch allerdings freier als das Werk von Saint-Saens. Sie stellt hohe Anforderungen an die Atemtechnik des Fagottisten, der Pianist ist gleichberechtigter Dialog-Partner. Zwar kann man Koechlins Kompositionen im weitesten Sinne als klassisch-harmonisch bezeichnen, doch sein Stil ist nicht einfach zu katalogisieren, da er sich aller möglichen Techniken und Mittel von der Klassik bis zur Moderne bedient.

 



Wer in der fast anmutig-naturalistischen Tonsprache – gerade der Nocturne – auch ein wenig von Claude Debussy wiederzuerkennen glaubt, irrt nicht. Denn Koechlin bewunderte ihn als einen genialen Kollegen, von dem ein einziger Takt reiche, "um uns das Tor zu den verzauberten Gärten zu öffnen, in denen wir dann vielleicht ganz andere Blumen als er selber pflücken dürfen". Der verspielt beginnende dritte Satz lässt ein wenig von der Sympathie Koechlins für den frühen Film entdecken. Fast könnte man meinen, in den albern klingenden Achteln des Fagotts eine Untermalung für Charlie Chaplin zu hören.

Filmmusik aber hat Koechlin nie geschrieben, im Gegensatz zu Alexandre Tansman (1897 – 1986). Der polnische Komponist, der 1919 nach Paris ging und dort viel für die Gitarrenmusik des 20. Jahrhunderts tat, konnte, mit Unterstützung eines Hilfsfonds von Charlie Chaplin, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in die USA fliehen. In Los Angeles lernte Tansman Igor Stravinsky kennen, der ihn kompositorisch beeinflusste. Seinen Lebensunterhalt aber verdiente er unter anderem in Hollywood, wo er Soundtracks zu diversen Filmen komponierte (z.B. "Schwester Kenny"). In Paris, wohin er 1946 zurückgekehrt war, entstand 1952 die dreisätzige Sonatine für Fagott und Klavier, die, im Vergleich zu den Werken von Saint-Saëns und Koechlin, für Zeynep Köylüoglu mehr an der Oberfläche arbeitet. Sie ist, wie es der Film verlangt, auf Effekt hin geschrieben, und berücksichtigt zugleich sämtliche Ausdrucks-möglichkeiten des Fagotts.

Ebenso mit Effekten beladen sind die "Interférences 1" für Fagott und Klavier des französischen Dirigenten, Pianisten, Professors und Komponisten Roger Boutry (*1932). Der Titel des Stücks ist Programm. "Crazy" nennt Zeynep Köylüoglu den spannungsreichen Dialog zwischen Klavier und Fagott mit seinen wilden Kaskaden auf- und abwärts. Boutry hat die Sätze mit einer Vielzahl von rhythmischen und metrischen Feinheiten versehen, so dass tatsächlich musikalische Inter-ferenzen entstehen.

Im umfangreichen Werkverzeichnis des französischen Komponisten Jean Françaix (1912 – 1997) findet sich, neben Opern, Film- und Ballettmusik, auch Kammermusik für eher vernachlässigte Instrumente. Eben diese Instrumente mit einem voluminösen, "schnarrenden" Klang (u.a. E-Gitarre, Schlagwerk, Fagott) fasste er als "Höllenorchester" zusammen. Trotzdem klingt das Andante der "Deux Pièces" für Fagott und Klavier sehr harmonisch, für Zeynep Köylüoglu bietet es sogar "Entspannung pur am Ende eines langen Arbeitstages, wo man nach Hause kommt und sich ausruhen möchte". Auch das zweite Stück "Petit divertissement militaire" wird – diesmal auf andere, heitere Art und Weise – dem Wunsch des Komponisten gerecht, Musik zu schreiben, die Freude macht. Sie ist leicht, von musikalischen Höhepunkten befreit. Ein Jahr vor seinem Tod erreicht Françaix sein Ziel hier mit kleinsten Mitteln.

Mit Cengiz Tanç (*1934) stellt Zeynep Köylüoglu einen weitgehend unbekannten Komponisten aus ihrem Heimatland, der Türkei, vor. Tanç hat an der Juilliard School of Music in New York studiert und ist von der amerikanischen Postmoderne beeinflusst. Seine Partita für Fagott solo trägt die Stimmung der türkischen Musik, sie ist jedoch durchsetzt von modern-klassischen Elementen (z.B. vielen kleinen Terzen). Das sehr freie, 1987 für einen Wettbewerb in Istanbul komponierte Stück ist angelegt wie eine rhythmische Übung für Fagottisten. Obwohl die Partita für Zeynep Köylüoglu keinen unmittelbar folkloristischen Bezug hat, spürt sie darin dennoch eine innere Verbindung zur Türkei: "Diese Musik ist wie ein Geruch für mich, voll von Erinnerungen."

Christoph Broermann