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Caroline Melzer stammt aus Kronberg i.Ts. und studierte Gesang bei Rudolf Piernay (Mannheim) und Liedgestaltung bei Ulrich Eisenlohr (Mannheim) und Irwin Gage (Saarbrücken). Bereits während des Studiums wurde die Sopranistin für große Partien des lyrischen Fachs an verschiedene Opernhäuser engagiert. So sang sie z.B. Donna Elvira am Staatstheater Cottbus, in Detmold und in Lübeck und für verschiedene Hauptpartien (u.a. Lustige Witwe und Madame Pompadour) wurde sie an das Theater Kaiserslautern verpflichtet.
Ihr erstes Festengagement führt sie seit 2007 an die Komische Oper Berlin, wo sie bisher als Gräfin in "Le Nozze di Figaro", Fiordiligi oder Mimì zu hören war. Kommende Aufgaben werden Cordelia (Reimann, "Lear") in der Neuinszenierung von Hans Neuenfels und Rollendebüts als Lisa in Tchaikovskis "Pique Dame" und Leonore in der Erstfassung des "Fidelio" sein. 2008 debütierte sie als Lustige Witwe an der Volksoper in Wien und gastiert dort seitdem regelmäßig.
Caroline Melzers besondere Liebe gilt
dem Lied. Gemeinsam mit der Pianistin Anette Fischer-Lichdi gab sie zahlreiche Liederabende in Deutschland, Spanien, Belgien und der Schweiz. Im Rahmen ihrer ausgedehnten Tätigkeit als Konzertsängerin sang sie auf Festivals wie der Ruhrtriennale, dem
UltraSchall Festival Berlin, dem Mozartfest Würzburg, dem Rheingau Musik Festival, den Herbstlichen Musiktagen Bad Urach oder den Gustav Mahler Musikwochen Toblach. Sie arbeitete u.a. mit Christoph Poppen, Konrad Junghänel, Jac van Steen, Frieder Bernius und Michael Sanderling zusammen und wirkte bei zahlreichen Konzertmitschnitten, Rundfunkproduktionen und Live- übertragungen mit (HR, SWR, WDR, RBB, RAI, Radio de la Suisse Romande und Schweizer Radio DRS).

Caroline Melzer ist Stipendiatin der Händel-Akademie Karlsruhe, des Richard-Wagner-Verbandes sowie des Steans Institute for Young Artists, Ravinia Festival, Chicago, USA.

Anette Fischer-Lichdi wurde in Bad Rappenau geboren. Sie studierte Klavier und Liedgestaltung an den Musikhochschulen Mannheim und Saarbrücken bei Robert Benz, Ulrich Eisenlohr, Heike-Dorothee Allardt und
Irwin Gage. Wichtige künstlerische Impulse bekam sie in Meisterkursen
bei Irwin Gage, Christoph Prégardien,
Helmut Deutsch, Axel Bauni, Thérèse
Dussaut und Semjon Skigin.
Beim internationalen Wettbewerb "Schubert und die Musik der Moderne" in Graz wurde sie mit dem 2. Preis und mit dem Sonderpreis für die beste Interpretation eines Schubert-Liedes ausgezeichnet. Außerdem gewann sie den 1. Preis beim Hochschulwettbewerb für Schubert-Lieder in Mannheim, den Preis für die beste Klavierbegleitung
beim "Concorso di canto cameristico"
in Gorizia und beim 12. Int. Johannes Brahms Wettbewerb in Pörtschach. Sie ist Bundes- preisträgerin des Wettbewerbs "Jugend musiziert" und Stipendiatin des Richard-Wagner-Verbandes.
Liederabende und Konzerte führten die Pianistin durch ganz Deutschland,
an den Internationalen Kunstcampus
deSingel in Antwerpen, in den Grazer
Stefaniensaal, sowie nach Frankreich,
Italien, Ungarn und die Schweiz. Sie
war bei großen Festivals, wie dem Klavierfestival Ruhr, dem internationalen Musikfestival "The Next Generation III" und dem Kammermusikfestival "Schubert – les 12 derniers mois" in Lausanne zu hören, wo ihr Liederabend mit Caroline Melzer live vom Radio de la
Suisse Romande übertragen wurde.
Als Solistin spielte sie Klavier- konzerte von Mozart und Schosta- kowitsch mit dem Georgischen Kammerorchester Ingolstadt und dem Württembergischen Kammer-orchester Heilbronn.
Anette Fischer-Lichdi ist Korrepetitorin
der Académie Internationale d’Eté de Nice und des Int. Johannes Brahms Wettbewerbes. Seit 2007 ist sie Lehrbeauftragte für Gesangs- korrepetition an der Musikhochschule Mannheim.

 


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Caroline Melzer
Sopran

Anette Fischer-Lichdi
Klavier

"Frauenliebe und -leben"


CLCL 113

ROBERT SCHUMANN (1810 – 1856)
"Frauenliebe und -leben" op. 42
nach Gedichten von Adalbert von Chamisso

Seit ich ihn gesehen
Er, der Herrlichste von allen
Ich kann’s nicht fassen, nicht glauben
Du Ring an meinem Finger
Helft mir, ihr Schwestern
Süßer Freund
An meinem Herzen, an meiner Brust
Nun hast du mir den ersten Schmerz getan

02:20
03:03

01:45 02:46
01:58
04:48
01:27

03:56

SERGEJ PROKOFIEFF (1891 – 1953)
Fünf Romanzen op. 27 – Liederzyklus nach Anna Achmatowa

Die Sonne füllte das Zimmer
Echte Zärtlichkeit
Erinnerung an die Sonne
Grüße
Der grauäugige König

01:11
01:30
02:32
01:43
03:37
STEFAN HEUCKE (*1959)
"Sieben Lieder vom Tod" op. 52
für Gesang und Klavier *
nach Gedichten von Hertha Kräftner
I. "ANNA", sagte der Mann.
II. Das Gesicht meines toten Vaters
III. Wer glaubt noch
IV. Kleine Chronik
V. Auf den Tod eines Dichters
VI. Die Eltern im Herbst
VII. Dorfabend
06:04
01:42
02:57
04:52
04:46
04:51
02:44

total 43:36

*Ersteinspielung / First recording


Der Komponist Stefan Heucke (*1959 Gaildorf ) erhielt seine musikalische Ausbildung an den Musikhochschulen in Stuttgart und Dortmund bei Renate Werner und Arnulf von Arnim (Klavier) und Gerhart Schäfer (Komposition).
Erste Aufmerksamkeit erregte Heucke 1985 mit seinen "Vier Orchesterstücken op. 5" mit dem Saarländischen Staatsorchester unter Matthias Kuntzsch. Zahlreiche Aufführungen und Rundfunkproduktionen mit namhaften Solisten und Orchestern im In- und Ausland folgten. 2006 vollendete Stefan Heucke sein zweites Musiktheaterwerk "Das Frauenorchester von Auschwitz", das im Theater Krefeld/Mönchengladbach urauf- geführt wurde.

Von 1989 bis 2002 unterrichtete Stefan Heucke Tonsatz an der Hochschule für Musik Detmold, Abt. Dortmund. 1990 erhielt er den Förderpreis der Stadt Dortmund für junge Künstler, 2002 den Publikumspreis beim Festival der Ruhr-Orchester "Windrose". Zahlreiche Aufträge von Theatern, Orchestern, Ensembles, Stiftungen und Privatpersonen sowie zwei Stipendien der Werner Richard – Dr. Carl Dörken-Stiftung ermöglichten ihm eine Existenz als freischaffender Komponist.
2007 erhielt Heucke, der seit 1996 in Bochum lebt, den Hans-Werner-Henze-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Stefan Heuckes Werke werden bei Schott Music verlegt, Rundfunkmitschnitte und CD-Produktionen dokumentieren sein vielfältiges Schaffen. Bei CC ClassicClips ist die CD "Heimat" mit Werken von Leoš Janácek und Stefan Heucke erschienen (Marko Kassl, Akkordeon, und Tobias Bredohl, Klavier; Bestellnr. CLCL 107).

 



Zu den Werken

Die in Deutschland nahezu unbekannte Dichterin Hertha Kräftner (1928 – 1951) galt zusammen mit Ingeborg Bachmann als die große Hoffnung der österreichischen Nachkriegsliteratur. Sie setzte allerdings, 23-jährig, ihrem Leben selbst ein Ende und hinterließ nur etwa 50 Gedichte, Prosaskizzen, Fragmente eines Romans, ein paar Tagebucheinträge und Briefe. Dieses schmale Werk, nach ihrem Tod vom burgen- ländischen P.E.N.-Club heraus-gegeben, sicherte ihr jedoch einen esoterischen Nachruhm.
Das Gedicht "Dorfabend" begegnete mir bereits vor 25 Jahren und mit seinem Rauschen und Kreisen grub es sich tief in meinem Kopf ein. Hertha Kräftners lyrisches Werk war eine bedeutende Entdeckung für mich, und schnell fand ich sechs weitere Gedichte, die ich mit "Dorfabend" zu einem Zyklus zusammenfügte. Ich realisierte ihn kompositorisch, als 2006 der Internationale Brahms-Wettbewerb Pörtschach für ein Pflichtstück im Fach Gesang bei mir anfragte. Im November 2008 wurde der gesamte Kräftner-Zyklus – bei den Wettbewerben 2007 und 2008 waren die Lieder eins, zwei, vier und sechs Pflichtstück gewesen – im deSingel Antwerpen durch Caroline Melzer und Anette Fischer-Lichdi uraufgeführt.

Beinahe zwangsläufig ergab sich die Kombination meines neuen Zyklus mit Prokofieffs Achmatowa-Liedern und Schumanns "Frauenliebe und -leben": Alle drei Zyklen sind von Männern komponiert, beschäftigen sich aber mit Lebenssituationen von Frauen; Schumann verwendete für seinen berühmten Zyklus op. 42 zudem Gedichte eines Mannes, Adalberts von Chamisso –, womit die Rolle der Frau mindestens teilweise aus männlicher Perspektive dargestellt wird.

Wie unerwünscht das männliche Rollendiktat sein kann, wird im Hinblick auf Schumanns Komposition deutlich. In acht Liedern erzählt sie in zyklischer Rundung die Lebens- und Liebesgeschichte einer Frau, die ihre Erfüllung ganz traditionell als Liebende, Ehefrau, Mutter und Witwe findet. Schumann widmete diesen Zyklus 1840 seiner kurz zuvor angetrauten Frau Clara, die diese Rolle bekanntlich nur widerstrebend und nach seinem Tod gar nicht mehr
erfüllte. Sie war eine emanzipierte und prominente Frau, die sich und ihre Kinder als reisende Klaviervirtuosin und später als Professorin ernährte.

1916 vertonte Sergej Prokofieff fünf Gedichte von Anna Achmatowa. Der Zyklus op. 27 deutet eine ganz ähnliche Geschichte von unglücklicher Liebe, Verzicht, schließlich dem Blick in die Augen des unehelichen Kindes mehr an, als dass er sie erzählt. Im Gegensatz zu Schumanns drama- tischem, klavieristisch üppigem und motivisch durchgestaltetem Liedstil stehen hier sparsamste, zu deklamatorischen Gesangslinien wie mit feiner Tuschfeder gezeichnete Begleitfiguren, die die Atmosphäre der einzelnen Lieder plastisch vertiefen.

Mein eigener Zyklus "Sieben Lieder vom Tod" op. 52 schließlich, kompositionstechnisch eher an die deutsche Tradition der motivischen Arbeit und entwickelnden Variation, somit an Schumann, anknüpfend, erzählt keine Geschichte, sondern beleuchtet Aspekte der Auseinandersetzung einer jungen Frau mit dem Tod. Das große Trauma der Dichterin, der Tod ihres Vaters, als sie 16 Jahre alt war, wird im ersten Lied thematisiert. Man braucht "Anna" nur durch "Hertha" zu ersetzen und man wird geheimer Zeuge des Abschiedsgespräches von Vater und Tochter. Die zentralen Themen ihres Werkes – der tote Vater und der ewig rollende Zug – tauchen in den Liedern zwei und sechs auf, während die mittlere Gruppe sich dem Thema Tod (und misslingende Liebe) auf eine befremdlich kühle, beinahe sarkastische Weise nähert und dabei trotzdem das existentielle Grauen vor der Endgültigkeit eines ewigen Nichts spürbar macht. Das letzte Lied schließlich verkehrt die Situation des ersten Liedes: Nicht ein Kind verabschiedet sich von seinem Vater, sondern eine Mutter von ihrem toten Kind, das sie, wahrscheinlich aus materieller Not, erwürgt hat und mit der "alten Magdalen" begräbt. Ihr Seufzer: "Gott hab mit uns Erbarmen." beschließt das Stück und bildet damit eine nachträgliche Überschrift für den gesamten Zyklus – und letztlich unsere menschliche Existenz.                     Stefan Heucke