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Viten

Stephan Froleyks arbeitet nach Musikstudien in Hannover und Essen als Komponist, Interpret, Autor und Kurator. Als Schlagzeuger gab er Konzerte im In- und Ausland, er nahm an Rundfunk- und CD-Produktionen teil und spielte auf internationalen Festivals in Berlin, Donaueschingen, London, München, Stuttgart, Münster und Warschau. Froleyks konstruiert neuartige Instrumente, darunter sind Flötenmaschinen, Messertische, Saitenwannen, Stahlklinger und eine geschweifte Tuba. Er erhielt Kompositionsaufträge u.a. von der Kunststiftung NRW, den Wittener Tagen für Neue Kammermusik, der Stadt Münster und den Musiktagen Donaueschingen. Stephan Froleyks komponierte Theatermusiken, Hörstücke, Filmmusiken und multimediale Arbeiten für das Niedersächsische Staatstheater Hannover, das Deutsche Theater Göttingen, das Landestheater Tübingen, für Radio Bremen, den WDR und die EXPO2000. Er wurde mit Kunstpreisen und Stipendien ausgezeichnet, u.a. einem DAAD-Stipendium (Tablastudien in Indien), dem Kunstförderpreis NRW, dem Folkwang Preis und dem Stipendium der Akademie Schloß Solitude. Stephan Froleyks lehrt als Professor an der Musikhochschule in Münster.

Ralf Holtschneider begeisterte sich früh für die Vielfalt der perkussiven Instrumente. Der in Duisburg geborene Pädagoge, Dozent und Musiker, Preisträger des Bundeswettbewerbs "Jugend musiziert" und Absolvent der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf bzw. Folkwang Hochschule Essen arbeitet als Musiker für Theater, Opernhäuser und Konzertorchester in NRW. Im Bereich der Begabtenförderung (SPLASH, Landesjugendorchester) engagiert er sich seit vielen Jahren für den Landesmusikrat NRW. Als Dozent erteilt er Didaktikseminare an Musikhochschulen, organisiert Kurse und Workshops und nimmt als Juror an Wettbewerben des Deutschen Musikrats teil. Seine pädagogische Tätigkeit begann Ralf Holtschneider schon während des Studiums mit dem Aufbau einer Schlagzeugklasse
an der Kreismusikschule Viersen, an der er heute als stellvertretender Schulleiter und Projektleiter tätig ist. Die von ihm geleiteten Schüler und Ensembles erhielten beim Wettbewerb "Jugend musiziert" neben vielen ersten Preisen auf Bundesebene auch diverse Sonder- preise (Marler Debüt, Deutsche Stiftung Musikleben, Förderpreis der Sparkassen in NRW) sowie Einladungen zu Konzerten und Auftritten in die Schweiz, Dänemark, Schweden und Japan.


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Splash

Percussion NRW

CLCL 115

EEGAR VARÈSE (1883-1965)
Ionisation (1931)   06:05
SIMON LIMBRICK (*1958)
Machine for Living (2009)* 11:32
ECKHAR KOPETZKI (*1956)
Marimba Splash, Concertino for two Marimbas and
four Percussionists (2009)*
14:04
STEVE REICH (*1936)
Music for Pieces of Wood (1973) 08:46
STEPHAN FROLEYKS (*1962)
Not yet near day (2009)* 16:34

CHRISTOPHER ROUSE (*1949)

Bonham, for eight percussionists (1988)

06:56

total 64:19

* Ersteinspielung

Jan Degenhardt, Jonas Dometshauser, Malte Golombek, Jannis Günnel, Christoph Jama, Jeong-Hyeon Kim, Dustin Koch, Moritz Knapp, Marcel Morikawa, Jonas Tekath, Tobias Theis, Jens Ruland – Schlagzeug
Ilona Wackenhut – Klavier
Stephan Froleyks und Ralf Holtschneider – Leitung
Einstudierung der Ersteinspielungen durch die Komponisten


SPLASH
Das Perkussions-Ensemble SPLASH führt hochbegabte junge Schlag- zeuger aus NRW zusammen und erarbeitet mit ihnen Werke zwischen Avantgarde, Jazz und neuer improvisierter Musik. Das Ensemble wird vom Landesmusikrat NRW und der musikFabrik NRW getragen und ist ein Förderprojekt des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen. Die künstlerische Leitung liegt seit seiner Gründung 2006 bei Ralf Holtschneider und Prof. Stephan Froleyks. SPLASH ist eines von insgesamt neun Landesjugend- ensembles, die der Landesmusikrat NRW in Kooperation mit anderen Trägern unterhält und die vom Ministerpräsidenten des Landes NRW finanziert werden. Zusammen mit dem Jugendensemble Neue Musik ist SPLASH das jüngste unter ihnen.
SPLASH gab sein Debut beim WDR 3-Kulturpartnerfest im September 2006 mit dem Open-Air-Eröffnungskonzert auf dem Kölner Wallrafplatz. Seither präsentiert das Ensemble bei Konzertreihen und Festivals die Ergebnisse intensiver Probenphasen. Oft kooperiert es mit anderen Ensembles und Orchestern. Mit dem JugendJazzOrchester NRW arbeitete SPLASH 2007 in einem Projekt mit dem Schlagzeuger Christoph Haberer zusammen. Im Dortmunder domicil stellten die Big Band, SPLASH und Haberer Kompositionen von Haberer und von Marko Lackner vor.
2008 brachten SPLASH und das Landesjugendorchester NRW sowie der Chor der Düsseldorfer Musikhochschule und der Mädchen-chor am Essener Dom Olivier Messiaens "La Transfi guration de Notre Seigneur Jésus-Christ" u.a. im großen Sendesaal des Funkhauses in Köln, in der Essener Philharmonie und im Altenberger Dom zur Auff ührung. 2008 spielte SPLASH mit der Big Band des Deutschen Musikrats, dem BuJazzO unter Leitung von Niels Klein, auf dem Jazzfest Viersen.
Dank der Kunststiftung NRW konnte SPLASH 2009 drei Kompo- sitionsaufträge an Simon Limbrick, Eckhard Kopetzki und Stephan Froleyks vergeben und die Werke mit den Komponisten erarbeiten. Die Ergebnisse sind auf dieser CD zu hören.


 



CD-Kritiken

Die CD ist sowohl unter künst- lerischem als auch unter aufnahme- technischem Gesichtspunkt sehr gut. Sie bietet ein abwechslungsreiches und interessantes Programm, das sicher nicht nur eingefleischten Liebhabern von Perkussionsmusik gefallen dürfte.

Axel Fries

Das Orchester 02/2011



Edgar Varèse
: Ionisation (1931) – "Ionisation" für 13 Schlagzeuger, Varèses Meisterwerk von 1931, ist aktueller denn je. Varèse stellt die Welt der Stadt mit 43 Schlaginstrumenten dar, eine Welt, die einerseits hoch technisiert, andererseits extrem klangsinnlich ist. Die Stadt erscheint als geheimnisvolles Gewebe von Geräuschen, Ferne und Nähe sind nicht zu unterscheiden, Lebensräume greifen ineinander, Bewegungen erfahren Intensität und verwehen wieder. Sirenen erklingen, Löwengebrüll erschallt, martialische Röhrenglocken und ein Klavier, das mit den Unterarmen angeschlagen wird. Das komplexe Spiel der Klangbegegnungen mag an die Kollisionen von Molekülen erinnern und Varèse zum Titel seines Werks bewogen haben. John Cage zeigte sich von "Ionisation" tief beeindruckt, Wolfgang Rihms "Tutuguri" sind ohne Varèse kaum denkbar.

Simon Limbrick: Machine for Living (2009) – Simon Limbricks Kompositionen sind von seinem Humanismus geprägt. Überdies ist er überzeugt, dass alles, was von Menschenhand gemacht ist, auch von der menschlichen Natur zeugt – ganz gleich, welcher Distanz und Sachlichkeit man sich unterwirft. In "Machine for Living" teilt sich das Schlagzeug-Ensemble in drei Gruppen, die als "drum machines" musikalische Strukturen in drei unterschiedlichen Tempi entwickeln. Nach und nach beginnen die Gruppen, sich musikalisch aufeinander zu zu bewegen, so erschließt sich dem Hörer die Rhythmik des Werks als Ganzes. Einzelne Musiker treten hervor und gestalten freie Partien aus. Im zweiten Teil der Komposition begibt sich das Ensemble in eine Klangaura, es formt sich ein Puls des Werks heraus. Im dritten Teil kehrt der Groove des Eingangs zurück. Extrovertiert ausgelebt, führt er in die Coda. – "Machine for Living" ist eine von der Kunststiftung NRW finanzierte Auftragskomposition des Landesmusikrats NRW.

Eckhard Kopetzki: Marimba Splash, Concertino for two Marimbas and four
Percussionists (2009) – Die Instrumente bestimmten das Entstehen von "Marimba Splash" – durch ihren Namen: Eckhard Kopetzki wählte Splash-Cymbals, jene kleinen Becken, die je nach Anschlagsart sehr verschieden klingen können, und erklärte ihre Klangcharakteristika zur Formgrundlage des Werks, einer A–B–A‘–B‘- Form. Der typische Splashsound eines Beckens ist sehr kurz, doch bei einer anderen Anschlagsweise kann es lange nachklingen. Durch die vielen Varianten zwischen Ice-Bells und TamTam ergibt sich ein faszinierendes Spektrum an Klängen, das um so schillernder wirkt, wenn es einem gestrichenen Anschlag gegenübersteht. Deshalb lässt Kopetzki das Vibraphon mit einem Bogen streichen. Zwei Marimbaphone bilden den anderen Pol der Instrumentenkonstellation. In den ruhigen Teilen des Werks, A und A‘, werden sie noch zurückhaltend gespielt, die zweite Marimba ist sogar durch ein Tuch gedämmt. Den Eindruck prägen die heterogenen Klänge der Metallinstrumente. In den schnellen Partien B und B‘ hingegen gewinnen die Marimbas virtuos an Fahrt, um das Zepter ganz an sich zu reißen. – "Marimba Splash" ist eine von der Kunststiftung NRW finanzierte Auftragskomposition des Landesmusikrats NRW.

Steve Reich: Music for Pieces of Wood (1973) – Die "Pieces of Wood" sind fünf Paar Claves, gestimmte Holzstäbe. In Steve Reichs Komposition, einem Werk der "Minimal Music", geht es um die ständige Wiederholung, um langsame Veränderung und Reduktion. Die Claves gestalten lange Folgen von Takten, die sich im Verlauf des Stücks verkürzen: Als 6/4-Takt beginnt das Werk, 4/4 hat es in der Mitte, es endet mit
dem 3/4-Takt. Je kürzer ein Takt ist, desto öfter wird er wiederholt. Die Besetzung schwankt zwischen zwei und fünf Spielern, die Besetzungswechsel gliedern das Stück in Formabschnitte. Gleichzeitig läuft das Metrum aber konsequent durch, die Musik erscheint in ihrem unbeirrbaren Vorantreiben wie ein Teil eines ewigen Kontinuums – ein Eindruck, der wesentlich dadurch hervorgerufen wird, dass Reich, "minimal"-typisch, auf einprägsame Melodien bzw. Motive verzichtet.

Stephan Froleyks: not yet near day (2009) – "not yet near day" ist ein echtes Ensemble-Stück, eine Komposition für sieben gleichberechtigte Spieler. Jeder von ihnen spielt auf sieben Blumenkästen, die vor ihm mit den Öffnungen zur Seite ausgerichtet liegen und jeweils eine siebentönige Skala ergeben. Froleyks sieht die Skalen als Zufallsskalen an, denn sie hängen von den objets trouvés der Gartenabteilung im Baumarkt ab. Dass die "Instrumente" im Vergleich miteinander leicht verstimmt wirken, ist beabsichtigt. Froleyks zielt auf die Schwebungen ab, die zwischen nahezu identischen Tönen entstehen, er ist in dieser Hinsicht vom indonesischen Gamelan beeinflusst. Zudem fordert Froleyks diffizile Tempoentwicklungen von seinen Musikern, verschiedene Arten des Beschleunigens und des Verlangsamens, krasse Tempo- wechsel und gelegentlich die Ausgestaltung von freien Zeitfenstern zeitgleich mit präzise angewiesenen Partien für die anderen Spieler. Warum "sieben mal sieben" Instrumente? Die Zahl Sieben hat hier keine tiefere symbolische Bedeutung. Sie ermöglicht die symmetrische, stets eine Oktave vermeidende, Anlage einer Skala um ein Zentrum. "not yet near day" ist eine von der Kunststiftung NRW finanzierte Auftragskomposition des Landesmusikrats NRW. Dieses Werk ist im Verlag Neue Musik NM 11121 erschienen.

Christopher Rouse: Bonham, for eight percussionists (1988) – Christopher Rouse, Schüler von George Crumb, gehört zu den Komponisten, die am beherztesten
auf den Pfaden zwischen Kunst- und Rockmusik wandeln. Rouse lehrte an der Eastman School of Music mehrere Jahre die Geschichte des Rock und bezieht selbst typische Rockrhythmen gerne in seine ohnehin schlagwerkzentrierten Kompositionen ein. Seine Werke für Perkussion treiben den Hörer in einen Groove, den er als Konzertbesucher oft nicht erwartet hat. SPLASH teilt mit Christopher Rouse die Begeisterung für die Rockgruppe Led Zeppelin, speziell für deren Schlagzeuger John Bonham. Rouse schrieb 1988 ein furioses und raffiniertes Perkussionsfeuerwerk auf den einstigen Kultschlagzeuger. SPLASH zeigt mit acht Schlagzeugern, wie klein und unnötig der Graben zwischen Rock und Neuer Musik ist.

Robert von Zahn