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Das Duo MARES mit der Bratschistin Esra Pehlivanli und dem Akkordeonisten Marko Kassl fand sich 2004 zusammen. Kurz nach seiner Gründung gab es sein Debüt beim Grachtenfestival in Amsterdam. Esra Pehlivanli (*1977 Ankara / Türkei) studierte bei Mikhail Kugel und schloss ihr Studium am Konservatorium in Gent und am Konservatorium in Maastricht mit Auszeichnung ab. Marko Kassl (*1976 Klagenfurt / Österreich) studierte bei Mie Miki. Er schloss sein Studium, ebenfalls mit Auszeichnung, an der Hochschule für Musik Detmold/Abt. Dortmund ab, sein Konzertexamen machte er an der Folkwang Hochschule Essen (jetzt: Folkwang Universität der Künste). Beide Künstler waren bei internationalen Wettbewerben erfolgreich. Esra Pehlivanli war Preisträgerin beim Krzysztof Penderecki Int. Contemporary Music Competition in Krakau sowie beim Torneo Internazionale di Musica in Italien. Den 1. Preis gewann sie beim Int. Violawettbewerb Premio Valentino Bucchi, wo ihr auch die Ehrenmedaille des italienischen Präsidenten überreicht wurde. Marko Kassl war z.B. Stipendiat des Richard Wagner-Verbandes und er bekam den Förderpreis der GWK, Münster / Westfalen. Er hat den Öster- reichischen Akkordeonwettbewerb gewonnen und ist Preisträger der JAA International Accordion Competition in Tokio sowie des int. ProLoco Wettbewerbs Italien. Als Duo MARES wurden beide Musiker mit ihrem spartenübergreifenden Projekt „Volume Nuevo+“ beim Jur Naessens Music Award 2009 in den Niederlanden ausgezeichnet. Das Repertoire des Duo MARES umfasst Transkriptionen großer Werke der Musikgeschichte sowie Originalkompositionen für Bratsche und Akkordeon. In enger Zusammenarbeit von Esra Pehlivanli und Marko Kassl mit Komponisten entstehen neue Stücke für diese außergewöhnliche Besetzung. Mehr als 20 Werke sind dem Duo bisher etwa von Ivo Petric (SL), Chiel Meijering (NL), Bruno Strobl (A), Nico Huijbregts (NL), Gerard Beljon (NL), Sinta Wullur (NL), Matthias Grimminger (D), Andreas Kunstein (D), Yigit Kolat (TR), Gökçe Altay (TR) und Anne La Berge (USA) gewidmet, darunter auch die erste Komposition überhaupt für Viola, Akkordeon und Symphonieorchester, Devil’s Diary von Selim Dogru (TR). Das Duo MARES konzertierte in den Niederlanden, in Deutschland, Belgien und Österreich, in der Türkei, in Slowenien und Luxemburg und spielte z.B. beim Internationaal Kamermuziekfestival Utrecht, beim Grachtenfestival und beim Kamermuziekfestival Hoorn in den Niederlanden, beim deutsch-niederländischen Festival „De Wohltemperierte Accordeon“ und beim österreichischen Akkorde-On- Stage, in der Türkei auf dem International Ankara Music Festival und dem International Mersin Music Festival, beim Ljubljana Festival in Slowenien und bei der mommenta Dortmund und der mommenta münsterland in Deutschland. Esra Pehlivanli unterrichtet am Hogeschool Gent Conservatorium in Belgien und Marko Kassl an der Hochschule für Musik Detmold in Deutschland.


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Duo MARES

"Volume Nuevo"

CLCL 116

CHIEL MEIJERING (*1954)
 Amber and Cream (2007)° •  08:05
IVO PETRIC (*1931)
Duo concertante (2006)° 15:02
SINTA WULLUR (*1958)
Moods and Modes (2009)° • 10:52
BRUNO STROBL (*1949)
Wellen. Brechungen (2007)° 12:57
GERARD BELJON (*1952)
Bye… (2009)° • 09:30

Nico Huijbregts (*1961)

Falsche Tango (2007)•

09:10

total 65:39


Sämtliche Kompositionen sind für das Duo MARES geschrieben.

° Ersteinspielung
• Auftragswerk des Fonds Podiumkunsten NL

 

Chiel Meijering (*1954 Amsterdam/ Niederlande) studierte Komposition bei Ton de Leeuw, Schlagzeug bei Jan Labordus und Jan Pustjens und Klavier am Konservatorium in Amsterdam. In Amber and Cream (2007) wechseln expressive Passagen ständig mit rhythmischen dynamischen Linien, wobei sich Struktur und Spannungen zunehmend entwickeln. In harmonischer und melodischer Hinsicht sucht Chiel Meijering in diesem Werk, modal zu komponieren, was zwar an das türkische Makam erinnert, doch tatsächlich ist er hierin am meisten von Debussy und Messiaen beeinflusst. Seine Stücke schreibt er den Musikern, die sie uraufführen werden, auf den Leib, so auch Amber and Cream dem Duo MARES. Das Stück ist "wie eine Reise, du kehrst am Ende an deinen Ausgangspunkt zurück. Aber bei deiner Rückkehr bist du jemand anders geworden. Ende und Anfang sind gleich, doch aufgrund der Geschichte dazwischen hörst du die Musik am Schluss anders als zu Beginn. Du fühlst dich 'zuhause’, nach all den Stürmen und inneren Kämpfen kommt alles zur Ruhe. Der Klang der Bratsche und des Akkordeons bewegt sich in manchen Registern so nah bei einander, dass sich beide überlappen, wie die zwei Farben im Titel, Bernstein und Creme – eine schöne, glänzende Patina für die Klangstruktur" (Meijering).

Ivo Petric (*1931 Ljubljana/Slowenien) studierte an der Musikakademie seiner Heimatstadt Komposition und Dirigieren. Er war der künstlerische Leiter des Ensembles „Slavko Osterc“, Chefredakteur von „Edicije DSS“, einer Zeitschrift für zeitgenössische slowenische Musik, und künstlerischer Leiter des Slowenischen Philharmonischen Orchesters. – "In letzter Zeit ist die Bratsche für mich in den Vordergrund getreten. Neben meinem Jugendwerk Variations on a theme by Béla Bartók für Viola und Klavier (1954) habe ich drei für mich sehr wichtige Stücke für Bratsche komponiert: das Duo concertante für Viola und Akkordeon, die Sonata fantasiana für Viola solo und die Fantasia concertante für Viola und Kammerorchester. All diese Stücke entstanden aus der Freundschaft mit exzellenten Solisten, so auch das Duo concertante (2006), das ich dem Duo MARES gewidmet habe. Ich schrieb hier zum ersten Mal für Akkordeon, und Marko hat mir mit wichtigen Hinweisen zu seinem Instrument sehr geholfen. Das Stück hat eine freie Form, wobei signifikante Intervalle häufig gebraucht werden und thematisches Material liefern für die oft polyphone Klangkombination dieser beiden Instrumente" (Petric). 2008 entstanden außerdem für Marko Kassl die Carinthian Variations II für Akkordeon solo.

Sinta Wullur (*1958 Bandung / Indonesien) kam 1968 in die Niederlande. Sie studierte Klavier bei Willem Brons und Komposition bei Ton de Leeuw am Sweelinck Konservatorium, später am Königlichen Konservatorium in Den Haag bei Theo Loevendie and Louis Andriessen. An beiden Hochschulen arbeitete sie auch im Studio für elektronische Musik mit Gilius van Bergeijk and Jan Boerman. Darüber hinaus beschäftigte sie sich intensiv mit indonesischer bzw. asiatischer Musik und studierte Gamelan und Gesang bei Lehrern in Bali und Java. – In ihren Kompositionen verbindet Sinta Wullur die Musiktraditionen des Westens und des Ostens. Wann immer ihre Stücke für eine westliche Besetzung geschrieben sind, ist der Einfluss des Gamelan zu hören. Gamelan-Elemente finden sich im Rhythmus, in den Strukturen und Tonleitern, im Gebrauch bestimmter Modi. Und wenn sie für Gamelan-Instrumente komponiert, verwendet Sinta Wullur Strukturen und Stilprinzipien westlicher und Neuer Musik. Moods and Modes (2009) ist von ihrer Reise nach Indien, die sie 2008 zu Gesangsstudien unternahm, inspiriert.

 


 

CD-Kritiken

“...hier liegt als Debut solch ein Tonträger vor, der auf Tabula rasa allein dem Ohr die Macht überlassend besticht, frappiert. Das Duo MARES hat eine CD vorgelegt, die ihresgleichen sucht. Die Gründe liegen nicht nur im Können dieser beiden [...] sondern auch im Aufnahmelevel, der neben der Authentizität des jeweiligen Instrumentensounds insbesondere die ideale klangliche Ausgewogenheit
bietet. Es wird in diesen Qualitäten kaum eine Kammermusikaufnahme
unter Beteiligung des Akkordeons geben, die mithalten könnte. Marko Kassls präzises von überlegener Technik und von Beseeltheit gekenn- zeichnetes Spiel ist unverwechselbar. [...] Miniglissandi hoher Sensibilität, Artikulationsvariabilität aus Balg wie Finger und in Kombination sind bei ihm plastisch präsent."

Maximilian Schnurrer
DALV-Info 1/2011

"Das Akkordeon zeigt sich in dieser sehr feinen ersten Aufnahme des Duo Mares in bemerkenswertem Licht. (...) Die sechs Werke wurden speziell für dieses Duo geschrieben von Weltklassekomponisten, die erstmals für diese Kombination von Instrumenten komponierten. (...) Die
Aufnahmequalität ist sehr fein und die Instrumente klingen echt, die dynamische Bandbreite ist enorm, als erlebe man eine Live- Aufführungen. Ich empfehle diese CD uneingeschränkt, speziell für Musiker, die auf der Suche nach neuem Repertoire sind."

Joan Cochran Sommers
ccordions Worldwide, Februar 2011



"Selbst ohne die Noten zur Hand zu haben, klingen die Darbietungen sehr überzeugend (...). Eine besonders Aufnahme, die eine Erwähnung wert ist, auch für Nicht-Geiger und -Akkordeonisten!"

Jan de Kruijff
Musicalifeiten, Februar 2011

Die elegische, schüchterne Bratsche und das extrovertierte Freiluft-instrument Akkordeon - auf die Besetzung des 2004 gegründeten Duo Mares muss man erst einmal kommen. Kann das gut gehen? Die sechs Originalkompositionen aus den Jahren 2006 bis 2009, die auf dem Album Volume Nuevo versammelt sind, lassen den Hörer feststellen: Ja! So unterschiedliche Stilistiken diese Stücke auch ausprägen, allen von ihnen gelingt es, aus dem Kontrast, der Widersprüchlichkeit dieser Besetzung Funken zu schlagen. (...) substanzvoll sind alle dieser sechs höchst verschiedenen Stücke, und als Ganzes macht dieses Album einfach und auf höchstem Niveau Spaß.

Michael B. Weiß, Klassik Heute,
02.03.2011


Bruno Strobl (*1949 Klagenfurt / Österreich) studierte Klarinette und Theorie am Konservatorium in Klagenfurt. Nach privatem Kompositionsunterricht bei Nikolaus Fheodoroff studierte er Komposition am Kärntner Landeskonservatorium bei Dieter Kaufmann. – Seit 1988 bestimmt die Struktur der Teil- tonreihe das von Grund auf struk- turelle Denken des Komponisten. "Dabei wird die Teiltonreihe (zumeist in temperierte Stimmung gerückt), besser gesagt: es werden Teiltonreihen in der Weise eingesetzt, dass sie sich an bestimmten Punkten, quasi an Angelpunkten oder 'links’, überschneiden, so dass mehr oder weniger dichte Strukturen entstehen. Die Form der Welle steht im Mittelpunkt von Wellen. Brechungen (2007), wie auch von anderen Stücken (z.B. t.o.r. 2 – Lamento für das italienische Duo Namaste, Wave. Wave für das rumänische Trio Contraste): die Welle als Form und die Welle als Grundidee für die formale Konstruktion – mit ihrer scheinbaren Tendenz zur Wiederholung. Denn eine wirkliche Wiederholung ist es ja nicht, vielmehr eine Wiederkehr unter jeweils anderen Bedingungen und damit in anderen Erscheinungs- formen." (Strobl).

Gerard Beljon (*1952 Utrecht / Niederlande) studierte Laute und Gitarre an den Konservatorien in Utrecht und Den Haag, Komposition bei Daan Manneke am Konservatorium in Amsterdam. – "Mich interessiert die klare Form und Struktur, die wir in so vielen mittelalterlichen, Renaissance- und Barockkompositionen finden. Diese Qualitäten versuche ich in meine Musik zu übersetzen. Außerdem kombiniere ich Techniken der notierten Musik des 20. Jahrhunderts mit Einflüssen aus der Popmusik. So entsteht eine neue Musik, die anscheinend für viele Menschen interessant ist. – Bye ... (2009) habe ich für meine Mutter geschrieben, und es ist Musik über sie. Sie ist alt und nach und nach verabschiedet sich ihr Geist. Ich kann nichts dagegen tun, aber ich habe versucht, Musik zu schreiben, die zeigt, was meine Mutter mir bedeutet." (Beljon).

Nico Huijbregts (*1961 Roosendaal / Niederlande) ist Komponist, Pianist und Maler. Als Komponist ist er Autodidakt, beeinflusst von zahlreichen zeitgenössischen Musik- stilen. – 2005 sagte der berühmte argentinische Bandoneonspieler Dino Saluzzi beim "Jazz on the roof"-Festival: "Irgendwann, irgendwo wurde der Tango aggressiv. Wie ein Militärmarsch. Woher kommt die Idee, ihn so zu spielen? Ich weiß nicht, woher es kommt, aber es ist schlecht. Es ist nicht unsere Musik." – Als Nico Huijbregts Falsche Tango für das Duo MARES schrieb, musste er an dieses Interview denken, in dem Saluzzi, während er sprach, abwechselnd das Marschähnlich- Militärische und die Süße, das Melodische und die Melancholie des Tangos demonstrierte. Schon zu Anfang des Stücks fahren die beiden Instrumente einander sofort an. Danach wird, in der Art Saluzzis, ein Spiel der Kontraste inszeniert. Rhythmisch aggressive, abrupt unterbrochene Unisono-Passagen wechseln mit Partien, in denen die beiden Instrumente ihre melancholischen Melodien vorsichtig und behutsam verweben, als umarmten sie einander.