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Vita

Roman Viazovskiy wurde 1974 im ukrainischen Donezk geboren. Von 1988 bis 1992 studierte er am dortigen Musikkolleg bei Viktor Kriwenko. Am Sergey Prokofiev Konservatorium seiner Geburtsstadt setzte er seine Studien bei Walerij Iwko (Gitarre) und Ludmila Popova (Dirigieren) fort. Nach dem Diplom und seiner Übersiedlung nach Deutschland begann er ein Aufbaustudium bei Reinbert Evers an der Hochschule für Musik Detmold, Abteilung Münster (heute: Musikhochschule Münster). An der Musikhochschule Köln, Abteilung Aachen, schloss er bei Professor Tadashi Sasaki ab.

Konzertengagements führten Roman Viazovskiy durch ganz Europa, in den Nahen Osten, die USA, China, Thailand und Japan. Er ist regelmäßig bei den wichtigsten Gitarrenfestivals zu hören. Zu den renommierten Spielstätten, in denen er als Solist auftrat, gehören u.a. die Nationale Philharmonie der Ukraine in Kiew, die Bunka kaikan Recital Hall in Tokio, der Salle Claude-Champagne in Montreal und das Concertgebouw in Brügge. Im März 2007 gab er sein Debüt im Tschaikowsky Konzertsaal der Moskauer Philharmonie.

Roman Viazovskiy erhielt zahlreiche internationale Preise und nahm an diversen Radio und TV-Produktionen in der Ukraine, Deutschland, Spanien, Italien, Kroatien, Ungarn und Japan teil. Im April 2011 erschien seine dritte CD "Zeitenwanderer", nachdem er 2006 bei ClassicClips "Sonatas" (CLCL 102) und 2001 "Fatum" (CD 21001, Dreier.Gaido) veröffentlicht hatte.

In den vergangenen Jahren hat Karl-Heinz Römmich für Roman Viazovskiy in engem Erfahrungs- austausch mit ihm und mit Augenmerk auf seine gestalterischen Bedürfnisse mehrere Gitarren gebaut. Zwei von ihnen kamen bei dieser CD zum Einsatz, Instrumente, die gleichermaßen üppige Fülle, perkussive Prägnanz und feinnervige Transparenz zulassen.

Homepage: www.viazovskiy.de


Interview mit Roman Viazovskiy

WDR III / Mathias Mauersberger




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Roman Viazoskiy

"Zeitenwanderer"

CLCL 118

SILVIUS LEOPOLD WEISS (1686 – 1750)
Sonata V in G-Dur.

Prelude
Allemande
Courante
Bourée
Sarabande
Menuet
Gigue

01:32
04:35
02:24
01:57
04:57
01:51 02:37

NAPÓLEON COSTE (1805 – 1883)
Introduction et Variations
sur un motif de Rossini
14:11
JOAQUIN TURINA (1882 – 1949)
Sonata op. 61
Allegro
Andante
Allegro vivo
03:56
04:15
03:10
SÉRGIO ASSAD (*1952)
Aquarelle
Divertimento
Valseana
Preludio e toccatina
07:29
02:56
02:54
THELONIOUS MONK (1917 – 1982)
Round midnight. Arr. Roland Dyens 06:44

KONSTANTIN VASSILIEV (*1970)

Zeitenwanderer*

03:12

total 68:45


*Ersteinspielung / World-première recording

 

"Und jetzt möchte ich Euch auf eine kleine Reise durch die Zeiten mitnehmen, auf der Zeit keine Rolle mehr spielt. Nehmt ein Glas Wein, setzt Euch in einen Sessel und vergesst die Welt ..."         Roman Viazovskiy

"Zeitenwanderer" ist Roman Viazovskiys drittes und persönlichstes Album, eine Art Zwischenstandsmeldung zu seiner biographischen wie künstlerischen Entwicklung, aber auch ein emotionales Statement für sein ureigenes Instrument: die Gitarre als eines der elaboriertesten, filigransten und vielseitigsten Werkzeuge musikalischer Gestaltung überhaupt. Denn das Instrument hat ein Wahrnehmungsproblem: Entweder verbindet man mit der Gitarre das konzertante Showing-Off, das Schneller-Höher-Weiter des Virtuosenkults, zelebriert mit den notorischen Bravourstücken des Standardrepertoires, oder aber ein mildes Lächeln macht sich breit ob der Anmutung einer verstaubten Wandervogelseligkeit. Wohlgemerkt ist hier nicht die Rede von den üppig blühenden oder in Sepiatöne getauchten Landschaften der Folk-, Rock- und Alternative-Szene; dort ist eine klassische Konzertgitarre iberischer Prägung ja noch immer ein eher seltener Gast. Nein, Roman Viazovskiy, der bisher als Spezialist für das 20. Jahrhundert gilt, will mit „Zeitenwanderer“ sein Instrument in dem weitläufigen Ausdrucksraum präsentieren, der diesem „Orchester zwischen zwei Händen“ (Segovia) seit jeher eigen ist. „Ich wollte ein Programm aufnehmen, das nicht nur für Gitarristen und das engere Fachpublikum interessant ist, sondern auch für solche Musikliebhaber, die eine Konzertgitarre zum ersten Mal hören. Packend, frisch, expressiv und bewegend sollte es sein. Und es sollte die Gitarre in ihrer ganzen Vielseitigkeit zeigen“, kommentiert er seine Auswahl. Und dankbar bemerkt er, dass er dieses Projekt nach einem inspirierenden Gespräch über die Zukunft der Gitarre, das Repertoire und die zeitgenössischen Komponisten für sein Instrument in Angriff genommen habe, das er mit Christopher McGuire geführt hatte. Der künstlerische Leiter der „Allegro Guitar Series“ in Fort Worth, Texas, hatte ihn 2009 zu seinem US-Debut eingeladen. Tatsächlich ist „Zeitenwanderer“ ein Album für Liebhaber geworden, sowohl für den Connaisseur wie auch für neugierige Novizen. Schon der Einstieg ist programmatisch:

Silvius Leopold Weiss (1686 – 1750) teilt nicht nur seine Lebenszeit mit Johann Sebastian Bach. Geboren in Breslau als Sohn und mutmaßlich auch Schüler des Düsseldorfer Hoflautenisten Johann Jakob Weiss, suchte sich Silvius seinen Weg über Italien und Hessen-Kassel in die Dresdner Hofkapelle, der er bis zu seinem Tod angehörte, zu einer Zeit, in der die Laute keinen wirklich guten Ruf mehr genoss. Selbst Mattheson galt sie als ausgesprochen minderwertig, so attestierte er nicht nur dem Instrument, sondern pauschal auch allen Lautenisten eine gewisse „Pauvreté“. Leopold Weiss allerdings war vielen Zeitgenossen auf seinem Gebiet ein bewunderter Solitär. Auch im Hause Bach wurde er äußerst respektvoll empfangen. Es geht die Fama einer denkwürdigen Fugenschlacht im Musikzimmer des Thomaskantors. Bis zu seinem Tod 1750 soll Weiss ausschließlich für die Laute komponiert haben, als bräuchte es für ihn kein anderes Instrument. – Die Sonata V in G-Dur ist eine Sonate im vorklassischen Verständnis, die mehrsätzig, in Gestalt einer kompletten französischen Suite daherkommt. Makellos barocke Formensprache, wobei nicht nur der Orgelpunkt im Prélude an den großen Leipziger Kollegen von Weiss erinnert. Transparente Textur und eine reiche Harmonik, die sich der polyphonen Stimmführung verdankt. Die Melodik selbst ist jedoch bereits deutlich galant. Und erst auf einer modernen Konzertgitarre entfaltet sich der ganze Facettenreichtum dieser meisterhaften Suite – und stellt die ent- sprechenden gestalterischen Anforderungen an den Interpreten. Roman Viazovskiy spielt die Sonata in einer eigenen Transkription aus dem Manuskript und in angeglichener Stimmung. Erst seit kurzem sind die Kompositionen Weiss’ zum Teil auch in Druckausgaben zugänglich.

 


 

Mit Napoléon Coste (1805 – 1883) machen wir einen kleinen Sprung in die Romantik – und werfen einen Blick zurück auf den 16-jährigen Roman Viazovskiy. 1989 fällt ihm eine Festivalaufnahme des jungen Carlo Marchione in die Hände, die ihn so begeistert, dass er beschließt, alle Stücke seines Programms einzustudieren. „Die Konzerte in der Ukraine wurden und werden immer noch von einem Conférencier moderiert“, erzählt er. „Bei diesem Stück von Coste konnte ich, weil der Konzertmitschnitt technisch so schlecht war, nur den Namen des Komponisten verstehen, nicht aber den Titel des Stücks. Ich war begeistert von Carlos Spiel und sofort verliebt in dieses Werk. Aber keiner in der Ukraine konnte mir damals sagen, wie es heißt. Drei Jahre später machte ich dann meine erste Konzertreise in Deutschland und traf meinen zukünftigen Professor, Reinbert Evers. In seiner umfangreichen Bibliothek konnte ich endlich finden, was ich so lange gesucht hatte: Introduction et Variations sur un motif de Rossini. Weil diese wunderschönen Variationen sehr selten gespielt werden, habe ich mich entschieden, sie in mein Konzertrepertoire aufzunehmen.“ – Die Romantik gibt sich bei Coste recht konservativ und gediegen klassisch. Coste erhielt den ersten Gitarrenunterricht früh durch seine Mutter. 1830 zog er nach Paris, wo er vor allem bei Fernando Sor sein Instrument wie auch Komposition studierte. Seine rege Konzerttätigkeit musste er, nachdem er sich 1863 den rechten Arm gebrochen hatte, aufgeben. Coste verlegte sich auf’s Unterrichten und Komponieren, beschäftigte sich aber auch intensiv mit Fragen des Instrumentenbaus. Zusammen mit dem Pariser Gitarrenbauer Lacôte entwickelte er eine 7-saitige Gitarre, die den Klangraum um eine zusätzliche, frei schwingende Basssaite erweitert. Seinen Lebensunterhalt allerdings musste er sich zum Großteil als städtischer Verwaltungsangestellter verdienen. – Die Introduction et Variations sur un motif de Rossini sind eine Folge klassischer Variationen, die das Thema mit großer Eleganz quasi einmal durchs Lehrbuch deklinieren. Ein funkelndes Juwel ist dabei sicherlich die delikate Flageolett-Variation, aber auch die übrigen Satzteile glänzen mit effektvollen Glissandi oder vertrackten Trillerfiguren. Bis hin zu den furiosen Bassläufen der Schlussvariation stellt Coste höchste Ansprüche an die Spielkultur.

Joaquin Turina (1882 – 1949) ist auf diesem Album die Brücke ins 20. Jahrhundert. Geboren in Sevilla, studierte er zunächst Klavier bei José Trago in Madrid und dann für acht Jahre bis 1913 Komposition bei Vincent d’Indy an der Schola Cantorum in Paris. Nach seiner Rückkehr nach Madrid arbeitete er als Dirigent und Chorleiter u.a. am Teatro Real, bis er 1931 als Professor für Komposition ans Konservatorium berufen wurde. Turina gilt neben Albéniz und de Falla als einer wichtigsten spanischen Komponisten. Mit de Falla verband ihn nicht nur eine lange Freundschaft, sondern vor allem auch das Bestreben, seiner Musik einen nationalen, spezifisch spanischen Charakter zu geben. Während de Falla diesen Nationalcharakter jedoch eher artifiziell abstrahiert begriff, fand Turina ihn in der beständigen Rückbindung an die andalusische Folklore. Sein Hauptinstrument war eigentlich das Klavier, aber als spanischer Komponist nicht auch für die Gitarre zu komponieren, kommt wohl einem Hochverrat gleich. – Die Sonata op. 61 stammt aus dem Jahr 1930 und wurde, wie so vieles, was heute zum Standard der Gitarrenliteratur gehört, 1932 von Andrés Segovia uraufgeführt. Zwei hochvirtuose Allegro-Sätze umrahmen ein fragiles Andante, und in der Klangsprache wird deutlich, was mit Rückbindung an die Folklore gemeint ist: Der Tonsatz ist bestimmt von Flamenco-Elementen. Da sind die typischen Akkordrückungen, die rasanten Arpeggien und rollenden Rasgueado-Figuren und vor allem die enorme Farbigkeit andalusischer Melodik. Aufgehoben ist dies aber in einer dem Folkloristischen dann doch weit entrückten, kunstvoll verfeinerten Textur. Roman Viazovskiy spielt diese Sonate nach dem Urtext, wodurch sich kleinere Abweichungen von der zuerst gedruckten Segovia-Fassung ergeben.

Der Brasilianer Sérgio Assad (*1952) ist vornehmlich als Konzertvirtuose im Duo Assad bekannt geworden. Seit den 1980er Jahren feiert er zusammen mit seinem Bruder Odair große Erfolge. Doch vom Beginn seiner Karriere an hat der 1952 in São Paulo geborene Sergio immer auch für die Gitarre geschrieben. Annähernd 50 Kompositionen sind bisher entstanden, von denen es bereits einige ins Standardrepertoire geschafft haben. Gemeinsam mit seinem Bruder studierte er in Rio de Janeiro Gitarre bei der Segovia-Schülerin Monina Tavora, später noch Komposition bei Esther Scliar. Die Grundlagen seiner musikalischen Bildung jedoch wurden in brasilianischen Choro-Gruppen gelegt. Die Choros sind Folk-Ensembles zumeist mit Mandoline oder Flöte als solistischem Instrument und diversen Gitarren, die begleiten. Über seinen Vater gewann Sérgio hier nach eigener Aussage sein erstes Verständnis von Harmonik und Melodiebildung, weit vor jeder theoretischen Durchdringung. Der Einfluss nationaler Folklore ist also für Assad selbstverständlich. Neuerdings orientiert er sich allerdings klanglich eher in Richtung des Mittleren Ostens. – Für Roman Viazovskiy gehören die Aquarelle von 1986 „zu den spektakulärsten Stücken der Gitarrenliteratur der Gegenwart; sie sind kontrastvoll, sensitiv und energisch zugleich“. Der brasilianische Einschlag wird vor allem harmonisch im virtuosen dritten Satz, dem Präludium mit einer „kleinen“ Toccata, deutlich, aber auch die Rhythmik mit ihren „sambaesken“ Akzentuierungen im Mittel- und Schlussteil des Divertimentos verleugnet kaum ihre Herkunft. Im Ganzen jedoch ist der Klang mit seinen ständig wechselnden Valeurs eher spätimpressionistisch. Besonders die Valseana in ihrer scheinbaren Schlichtheit, das wiegende Mit- und Gegeneinander der kleinen schwebenden Plateaus darf sich gern auf Debussy berufen, während die behende Haken schlagende Harmonik sich von Ravel das Augenzwinkern leiht.

Thelonious Monk (1917 – 1982), der große Individualist und einer der einflussreichsten Musiker des Modern Jazz, namentlich des Bebop, war Anfang der 20er Jahre mit seiner Familie von North Carolina nach New York, an den Westrand von Harlem gezogen. Schon als Kleinkind war er damit in der unmittelbaren Peripherie, dem ersten Höllenkreis rund um den brodelnden Schmelztiegel des modernen Jazz. Der Rest ist bekannt. Höhenflüge und – zumeist drogeninduzierte – Abstürze. Anfeindung und Verehrung. Zwischendurch Auftritte und Aufnahmen mit den Besten seiner Zeit und einige der wirkungsmächtigsten Kompositionen des 20. Jahrhunderts, vor allem, weil er mit selbst im Jazz noch zementierten Konventionen brach. Hier finden sich Akkordschichtungen, für die andere wohl eingewiesen worden wären, und das Paradox der Polyrhythmie in einer Spieltechnik, die vom Stride-Piano herkommt, also im Grunde auf solide Regelmäßigkeit baut. Monk starb, schwer depressiv, 1982 in New Jersey. – Die es-Moll-Kadenz nach dem Intro von Round Midnight (1940) wurde bald zu einer akustischen Ikone des Modern Jazz. Die chromatisch absteigende Basslinie, aus der sich von ganz tief unten in „giant steps“ die erzählende Melodiestimme entwickelt, zählt zu den All-Time-Standards des Jazz-Repertoires. Unzählige Einspielungen, unzählige Interpretationen, von daher einem Stück des gängigen Klassik-Repertoires nicht unähnlich. Auch Gitarristen, vornehmlich allerdings aus dem Jazz-Millieu, haben sich immer wieder an diesem einzigartigen Material versucht. Als Referenzaufnahme kann bis heute die Einspielung von Wes Montgomery aus dem Jahr 1965 gelten. „Das Arrangement, das ich hier spiele“, sagt Roman Viazovskiy, „wurde von einem Meister seines Fachs, von Roland Dyens, gemacht. Ich habe es schon vor 15 Jahren von ihm gehört. Meine Finger brannten vor Lust, es auch zu spielen, aber ich hatte nie die Zeit, es in mein Repertoire aufzunehmen. Jetzt habe ich mir die Zeit genommen – und wenn ich es spiele, ist es Balsam für meine Seele.“ Der gebürtige Tunesier Roland Dyens (*1955) lebt seit früher Kindheit in Paris, war Schüler von Alberto Ponce und ist seit langem begehrter Lehrer und gefeierter Konzertvirtuose. Einen nicht unwesentlichen Teil seines Rufs verdankt er den Einrichtungen bekannter Klassiker, gern aus dem Jazz, für das 6-Saiten-Biotop der Konzertgitarre. Monks Original wird in Dyens Bearbeitung gewissermaßen domestiziert, das Sperrige und auch Subversive des frühen Bebop Monkscher Prägung wird zurückgedrängt durch die Brillanz einer spieltechnisch ausgefuchsten Neuinterpretation, die zwar mit einigen Blue-Notes in den schnellen Läufen und einem geschmeidigen Swing in den Walking-Bass-Passagen aufwartet, letztlich das Ausgangsmaterial aber doch in musikalisch reglementiertere Sphären transferiert. Sehr klar zutage tritt in dieser Fassung allerdings, wie polyphon Monk seine Harmoniefolgen gedacht hat; der „Zeitenwanderer“ schaut nochmal kurz bei Weiss vorbei und schließt so einen kleinen Kreis.

Man könnte es schon fast eine Tradition nennen: Jedes Album von Roman Viazovskiy wartet mit mindestens einer Ersteinspielung einer Komposition des gebürtigen Sibiriers Konstantin Vassiliev (*1970) auf. Beide sind nicht nur musikalisch, sondern auch freundschaftlich verbunden: „Als ich nach Deutschland kam, half mir Konstantin auf die Beine“, sagt Roman Viazovskiy. „Als Studenten haben wir gemeinsam musiziert, um Geld zu verdienen. Überall, wo wir gespielt haben, waren seine Bearbeitungen von Hits für zwei Gitarren der absolute Renner. Schon damals hatte ich das Gefühl, dass er als Komponist sehr interessant sein würde. Konstantin hat eine ganz eigene musikalische Sprache entwickelt, und ich spiele in all meinen Konzertprogrammen mindestens ein Stück von ihm.“ Roman Viazovskiy ist der ideale Uraufführungsinterpret von Vassilievs Gitarrenkompositionen. Konstantin Vassiliev studierte an der Hochschule von Novosibirsk Gitarre bei Arkadii Burkhanov und Komposition bei Sergei Tossin, bevor er 1995 nach Deutschland zog und seine Studien in Münster bei Reinbert Evers und Georg Haidu fortsetzte. Er komponiert hauptsächlich Kammermusik für verschiedenste Besetzungen, ist in seiner Arbeit aber immer wieder auf sein Hauptinstrument, die Gitarre, fokussiert. – Zeitenwanderer ist nicht nur das titelgebende Stück, sondern auch eine Art Resümee des gesamten Albums. Eine vermeintliche Petitesse, eine kleine dreiminütige Phantasie, die in sich jedoch einige Charakteristika des Vorangegangenen vereint. Die transparente Stimmführung des Barock, das klassische Understatement in der formalen Anlage bei gleichzeitig impressionistischer Klangverliebtheit sowie in der offenen Tonalität ein paar Passagen, die sich durchaus „jazzy“ nennen dürfen. Und was die spieltechnischen Möglichkeiten der modernen Gitarre angeht, selbstredend auf der Höhe der Zeit.

Nicolai Kobus